Ole Kittner: „Szenario 3. Liga ist sehr realistisch“
Die Augen vor der Realität verschließt beim SC Preußen Münster eigentlich niemand. Bei sechs Punkten Rückstand auf Platz 15 und fünf auf den Relegationsplatz müsste jetzt schon eine komplette (Ergebnis-)Wende her, um den Abstieg noch zu verhindern. Auch deshalb sagt Sport-Geschäftsführer Ole Kittner: „Das Szenario 3. Liga müssen wir schon sehr realistisch sehen.“
Auch wenn es schwer fällt: Bereits am Sonntag könnte der Abstieg auch rechnerisch feststehen. Dafür braucht es nicht viel: Falls die Preußen beim Aufstiegskandidaten verlieren und gleichzeitig entweder Fürth (gegen Nürnberg) oder Magdeburg (gegen Hertha) gewinnt, stehen uneinholbare sieben Punkte fest. Dann war es das schon am Sonntagnachmittag. Der einzige Weg zu einer Last-Minute-Rettung wäre ein Sieg in Hannover, aber so ein Wunder deutet sich nicht unbedingt an – auch wenn man das im Jahr zuvor in Magdeburg ähnlich gedacht hatte. Die Umstände sind allerdings andere. Sei’s drum, die Ungewissheit bleibt bis Sonntag erhalten.
Kittner, der zuletzt von Aufsichtsratschef Frank Westermann volle Rückendeckung bekam („Das hat mich sehr gefreut.“), steht vor der Analyse der Saison. Er sieht den SCP auf einer Spur, die schwer bis gar nicht zu verlassen ist. „Uns fehlen die Erfolgserlebnisse. Und dafür ist unsere Struktur gerade nicht stabil, nicht robust genug, um aus dem Nichts heraus mal einen Sieg zu holen.“ Kopfsache, das ahnt auch der Sportpsychologe und ehemalige Profi. Und so sagen es ja auch viele Spieler.
Gesicht zeigen
Die Erwartungshaltung des Sportchefs ist klar: „Jedes Spiel Gesicht zeigen, jedes Spiel gewinnen wollen. Wir repräsentieren hier Stadt und Verein.“ Die richtige Einstellung muss her, das ist eigentlich eine Minimalforderung, aber ganz ehrlich: Zum Saisonende hin ahnt man, dass der eine oder andere längst nicht mehr den absoluten Fokus und Willen zeigt. Auch das: Kopfsache. Die Mannschaft lässt sich nicht hängen, das sieht man. Aber dass sie mit leidenschaftlichem Einsatz, mit „Kratzer und Beißen“ agiert – das ist eben auch nicht zu sehen. Im Derby gab es die eine oder andere Chance, das sah oberflächlich wie Einsatz aus. Aber es gab wahrlich Derbys oder Spiele, in denen es mit deutlich mehr „Pfeffer“ zu Sache ging. Das war Mitspielen, aber kein Agieren. Und das ist für die 2. Bundesliga und vor allem für den Abstiegskampf zu wenig.
„Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft sich ergeben hat“, meinte dagegen Kittner nach Abpfiff des Spiels gegen Arminia. „Wir haben bis zur letzten Minute noch versucht zu treffen.“ Irgendwie ja, aber irgendwie auch nicht. Die große Schlussoffensive fand gar nicht statt, Johannes Schenk blieb bis zum Abpfiff in seinem Kasten. Ein verzweifeltes Anrennen? Dar war einfach nicht zu spüren und so ging es vermutlich auch vielen Fans. Dass das „alle zusammen für Preußen Münster“-Ritual erneut ohne Mannschaft stattfand, darf man schon als Ausdruck dieser Erkenntnis verstehen.
In Hannover wird man sehen, wie diese Saison von den Preußen beendet wird. Dass Ole Kittner und Jan Uphues sowie dem Team dahinter im Sommer eine Menge Arbeit bevorsteht, stimmt unabhängig von der Liga.
Personal: In Hannover wird Mikkel Kirkeskov fehlen. Etienne Amenyido dürfte sein letztes Spiel für Münster bereits absolviert haben, ihn wird man kaum wiedersehen. Und es wäre keine Überraschung, wenn das für Oscar Vilhelmson ähnlich gälte. Der Stürmer kann viel, aber sein Körper ist offensichtlich nicht für Profifußball gemacht. Gerade einmal 570 Spielminuten absolvierte der frühere Darmstädter in dieser Saison für den SCP. 14 Einsätze, mehr als die Hälfte der Saison fiel er aus. Diese Personalie einen völligen Fehlgriff zu nennen, wäre nicht unzulässig.

