Simon Scherder: „Dann eben wieder von vorn…“
Es geht ihm nah, das konnte man sehen. Nach der Derby-Niederlage war Simon Scherder war angefasst. Nur von draußen zusehen zu müssen? „Das ist das schlimmste Gefühl, dass man als Sportler haben kann.“ Mit Blick auf das Ergebnis und die letzten Auftritte schlich sich auch bei ihm eine gewisse Ernüchterung ein.
Ende Oktober hatte sich Scherder das Kreuzband gerissen, schon wieder. Seitdem ist der mittlerweile 33-Jährige zum Zuschauen gezwungen. Längst läuft er aber ohne Krücken oder Hilfsmittel durch das Stadion. „Es geht gut voran“, sagt er selbst. Noch ein paar Tage ist er zur Reha auf Schalke, aber in der Sommerpause setzt er diese Arbeit in Münster fort. Sein Plan: „Zur Vorbereitung will ich wieder einsteigen, wenngleich ich noch nicht alle Trainingsinhalte mitmachen werde.“ Sicherheitshalber, Schritt für Schritt. Ein hektisches Ziel, um im Abstiegskampf noch irgendeinen Beitrag leisten zu können? Vielleicht wollte das Herz das, aber sicher nicht der Kopf. „Das war von Anfang an klar, das mache ich nicht.“
Wenn die neue Saison – in welcher Liga auch immer – beginnt, hat Scherder etwas mehr als acht Monate gefehlt. Die Zeit mit der bald anstehenden Sommerpause spielt ihm ausnahmsweise in die Karten. Wobei bisher alles bestens verlief: Die OP war prima, die Reha störungsfrei, sogar besser als bei seinen vorherigen Verletzungen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich in einem guten Zustand zurückkomme.
Und genau dieses „Zurückkommen“ ist ja die wichtige Frage. Wer in den vergangenen Wochen die Spiele der Preußen sah, wird sich den Verteidiger mehr als einmal zurückgewünscht haben. Dass er im kommenden Jahr an Bord ist, steht fest. „Auch in der 3. Liga“, sagt er. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der SCP ab Sommer wieder in der Drittklassigkeit auflaufen. „Das tut schon weh, weil ich gerne noch mal 2. Liga gespielt hätte“, seufzt er. „Aber dann sehe ich zu, dass wir das wieder aufbauen im kommenden Jahr. Ich habe das schließlich schon einmal gemacht.“ Fans wissen: Das war 2020. Der Sommer nach dem Abstieg aus der 3. Liga, als zum Trainingsauftakt nur ein paar Profis im Stadion aufliefen – ehe der SCP Simon Scherder aus der Kabine holte. Der Jubel damals war Ausdruck der Zuneigung, die Scherder in Münster entgegenschlägt.
Die Kraft braucht es wohl noch einmal. „Bitter“ sei das, von oben zuschauen zu müssen und gar nichts tun zu können. Hilflos fühle er sich. „Aber so ist das manchmal im Fußball.“ Kaum jemand kennt das Gefühl so gut wie Scherder. Und er ist lange genug dabei, um realistisch zu sein. Freiwillig aufgeben kommt nicht in Frage, das ist klar. „Aber das Gefühl, die Leistungen aus den letzten Monaten, da spricht gerade nicht viel dafür, dass wir bei den letzten drei Gegner etwas tun können.“ Nur ein Sieg in der Rückrunde, überhaupt nur ein Sieg seit dem Derbysieger auf der Alm im Oktober. „Das ist dann doch ein Qualitätsunterschied zu den Teams. Mit so einer Bilanz bleibst du zwangsläufig nicht in dieser Lage, da muss man nicht um den heißen Brei herumreden.“ Dass der SCP ausgerechnet jetzt zu einer Schlussoffensive ansetzt, auch mit dem Gefühl der Verzweiflung, das glauben wohl die wenigsten.
Aber wie gesagt: Scherder will ab Sommer wieder helfen, das Boot flottzukriegen. Die Lage sei ja auch etwas anders als noch 2020, als es in die Viertklassigkeit ging. Realismus schwingt aber schon mit. „Ich weiß, dass ich nicht mehr viele Jahre im Fußball habe,“ sagt er. „Es wäre mein Ziel, den SCP wieder hochzubringen.“


Noch einer der wenigen der den Name Profi Beim SCP verdient.