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Millionen-Pacht fürs Preußenstadion, aber …

Millionen-Pacht fürs Preußenstadion, aber …
Blick ins Stadion Mitte April 2026.

In den Westfälischen Nachrichten erschien in dieser Woche ein Text über die Pachtvereinbarung zwischen der Stadt Münster und dem SC Preußen Münster. Das war aufschlussreich, weil die im Artikel genannte Pacht für das Stadion bisher öffentlich nicht bekannt war. Der SCP selbst machte sie aber nun transparent. Für Stirnrunzeln sorgten die Pachtzahlen in Millionen-Höhe in der 3. Liga, aber auch in der 2. Bundesliga. Für diese Zahlen lohnt sich allerdings ein zweiter Blick …

Zunächst: Seit einigen Jahren ist die Nutzung des LVM-Preußenstadions vertraglich neu geregelt. Stark verkürzt: Der Sportclub zahlen eine jährliche Miete, erhält aber von der Stadt einen Betriebskostenzuschuss. Ausweislich des aktuellen Vertrags zahlt der SC Preußen jetzt rund 460.000 Euro pro Jahr und trägt außerdem sämtliche Betriebs- und Instandhaltungskosten (zuletzt circa 1,4 Millionen Euro pro Jahr) – unabhängig von der Liga. Gleichzeitig zahlt die Stadt einen Betriebskostenzuschuss, den der Sportclub jährlich beantragen muss. Für das Jahr 2026 hatte der SCP Aufwendungen von rund 1,2 Millionen Euro bei der Stadt angemeldet. Doch längst ist es auch Normalität, dass die Stadt dem SCP praktisch nie den exakten „Wunschbetrag“ auszahlt, sondern nur einen Anteil davon.

Im konkreten Fall erhält der SCP nach Entscheidung des Rates nur rund 585.000 Euro, wovon eine erste Tranche über rund 195.000 Euro bereits im März gezahlt wurde, der Rest folgt dann Anfang September.

Diese Regelung(en) gelten allerdings nur bis Ende 2027, Anfang 2028 bzw. dem Zeitpunkt, an dem die Hellmich Gruppe das umgebaute Stadion offiziell an die Stadt übergibt. Ab diesem Zeitpunkt greift ein neuer Vertrag. Und der enthält zwei Kernzahlen:

  • Die Pacht in der 3. Liga beträgt etwa 2,3 bis 2,6 Millionen Euro
  • Die Pacht in der 2. Bundesliga beträgt 3,7 bis 4 Millionen Euro

Die exakte Summe wird jeweils beeinflusst durch mehrere variable Bezugsgrößen wie beispielsweise Ticketingeinnahmen oder Einnahmen durch Drittveranstaltungen im Stadion. Dazu gehören sämtliche Vermarktungsrechte am Stadion an 365 Tagen im Jahr. Zudem ist in der Pacht das gesamte Trainingsgelände und die neue Geschäftsstelle enthalten. Der SCP muss auch – anders als beispielsweise der Karlsruher SC beim dortigen Stadionprojekt – die hohen Kosten für den Innenausbau der Hospitalitybereiche nicht selbst finanzieren. Diese werden also auch von der Stadt getragen und über das Pachtmodell refinanziert.

Die Zahlen schrecken dennoch zunächst auf, insbesondere die Pacht-Summe für die 3. Liga. Gemessen am Gesamtetat des Sportclubs würde man sich die Frage stellen, wie das zu bezahlen sein soll. Aber genau das ist der Punkt: Der SCP zahlt, aber er erhält auch etwas. Vor allem sieht die Regelung vor, dass der SC Preußen die Vermarktungserlöse aus dem gesamten Stadionareal, also inklusive der weiteren Spielfelder und Anlagen, erhält. Auch die neue Geschäftsstelle des Klubs im Südosten des Stadions gehört dazu.

In der höheren Pacht ist jährlich auch ein mittlerer sechstelliger Betrag für künftige Instandhaltungskosten enthalten, die dann anders als heute die Stadt tragen wird. Alle anderen Betriebskosten trägt indes weiter der Club.

Betriebsbeihilfe

Zwischen Club und Stadt ist abgestimmt, dass der SCP unterhalb der 2. Liga eine Betriebshilfe von 2,2 Millionen Euro erhält, was die Pacht dann schon relativiert. Allerdings entscheidet darüber jedoch der Rat der Stadt jährlich neu. Ein Risiko für den Club, denn schon diesen Winter wurden dem SCP die Zuschüsse doch überraschend und unabgestimmt zusammengestrichen.

Beihilferechtlich ist das übrigens völlig in Ordnung. In der EU-Verordnung „Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung“ ist genau definiert, wie Sportinfrastrukturen durch beispielsweise Kommunen unterstützt werden dürfen – und diese Vorgaben sind erfüllt. Sass verweist zudem auf einen Faktor, der manchmal untergeht: „Wir heben mit dem SC Preußen Münster regionalökonomische Effekte im zweistelligen Millionenbereich, weil durch den SCP und seine Spiele Einnahmen entstehen.“ Das sind beispielsweise anreisende Fans, die in Münster übernachten und vor Ort Geld ausgebe. Oder Fans, die zu einem späteren Zeitpunkt die Stadt abseits des Fußballs erneut besuchen. „Auch die Einnahmen aus TV-Übertragungen investiert der SCP selbst wieder in Münster und der Region.“ Ganz zu schweigen davon, dass der SC Preußen längst ein mittelständisches Unternehmen mit Angestellten ist und hier Steuern zahlen, Gehälter zahlt und auf diese Weise für die Region da ist.

Sass sagt daher über die städtischen Zuschüsse ganz pragmatisch: „Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben. An anderen Standorten werden stark defizitäre städtische Stadionbetriebsgesellschaften ebenfalls mit jährlichen Millionenspritzen liquide gehalten. Vor allem in der 3. Liga wird durch die Zuschüsse die relative Wettbewerbsposition des Clubs geschützt.“

Wegfall der Zuschüsse in der 2. Liga

Für die 2. Bundesliga gilt übrigens eine besondere Regelung: Die jährlichen Zuschüsse würden im dritten Jahr der Ligazugehörigkeit wegfallen. Die Logik dahinter: Direkt nach einem Aufstieg würde sich der SCP bei der Verteilung der TV-Gelder zunächst ganz unten einreihen müssen. Je länger der SCP Zweitligist wäre, desto höher würden die TV-Gelder ausfallen. Also: Nach dem Aufstieg stützen zunächst die Zuschüsse den Klub, aber je mehr die Einnahmen wachsen, desto mehr sinken die Zuschüsse, ehe sie dann komplett wegfallen. Und in diesem Szenario ginge es allen Beteiligten gut: Die Stadt könnte die Investitionskosten gut refinanzieren, der SCP wiederum dank stabiler Einnahmen selbst wachsen. Sass dazu: „Das ganze Pacht- und Zuschussmodell ist fair austariert und mit Netzen und doppelten Böden so darauf ausgelegt, dass der SCP immer wieder aus der 3. Liga herauswachsen kann und in der 2. Liga für Stadt und Club eine Win/Win-Situation entsteht. Fiele der Zuschuss in 3. Liga aus, würde das Modell indes zusammenbrechen. Der Club muss sich auf die Zuschüsse verlassen können.“

Wie es bei den Westfälischen Nachrichten heißt: Die Abschreibungskosten für das Stadion sind auf 60 Jahre gerechnet. Je länger der SCP in dieser Zeit mindestens in der 2. Bundesliga spielt, desto attraktiver wird das Modell für die Stadt. Und es ist ein ziemlich einfaches Rechenbeispiel, dass der SCP in so einem Fall auch erheblich mehr zahlen würde als die Stadt letztlich für den gesamten Bau des Stadion(-areals) ausgegeben hat.

Nun ist das in der Theorie einfacher gesagt als getan. Die Wette darin ist nämlich die auf die wirtschaftliche Kraft des umgebauten Stadions. In praktisch allen Szenarien, die der SCP zeichnet, spielt die markiert die Übergabe des Stadions 2028 einen Wendepunkt. Ab diesem Zeitpunkt X werde der SCP aus sich selbst heraus finanziell stabil agieren können – und wachsen können. Und dann fällt unweigerlich immer der Verweis auf die 2. Bundesliga.

Automatismus Stadion?

Aber haben das nicht andere Klubs erfolglos vorgespielt? Jena, Halle, Erfurt, Aue, Zwickau, Chemnitz… lauter Klubs mit nagelneuen Stadien, die nur noch in der Regionalliga spielen. Der Unterschied: Es handelt sich um Klubs aus eher strukturschwachen Regionen. Und genau hier kann der SC Preußen auf ein bemerkenswertes Pfund setzen: die Wirtschaftsregion Münsterland nämlich. „Der SC Preußen Münster verfügt über ein großes Einzugsgebiet“, erläutert Geschäftsführer Dr. Markus Sass. „Das ist eine sehr robuste Region. Wir spüren das beispielsweise daran, dass wir kaum Ausfälle beim Sponsoring haben.“ Das sei in anderen Klubs oder Regionen ein viel größeres Problem, so Sass. Das ist ja auch logisch: Wenn Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, rückt die Zahlung von Sponsoringgeldern eher nach hinten.

Zudem: Mit künftig rund 2.000 Business-Seats und mehr als 30 (!) Logen im Stadion (in der 3. Liga kann nur Duisburg mehr anbieten, in der 2. Liga wäre der SCP damit aktuell auf Platz 4) kann der SC Preußen diese Wirtschaftskraft der Region ganz anders in Einkommen verwandeln – und dazu trägt der mittlerweile gute Name des Klubs in der Region einen großen Anteil. Längst werden die Preußen als regionales Aushängeschild betrachtet, zu dem sich auch Unternehmen gern bekennen. Die immer wieder fortgesetzte Trikotpartnerschaft mit Fiege beispielsweise ist nur ein Signal. Auch die Westfalen AG bleibt weiter Partner, wie der SCP gerade meldete. Das sind deutliche Zeichen, die auch eine Außenwirkung haben. Als Netzwerkort ist der SC Preußen ungemein gefragt, das zeigt auch die Nachfrage nach den Logen und den Business-Bereichen. Und das ist ein erheblicher Unterschied zu vielen anderen Klubs mit neuen Stadien, aber weniger leistungsstarkem Umfeld.

Sass erklärt, wie die Dynamik zu verstehen ist: Allein durch Ticketing und Catering erwartet der Klub künftig jährliche Zusatzeinnahmen in Millionenhöhe. Mit rund 1.100 zusätzlichen Business-Seats im Vergleich zu heute ergäben sich ganz andere Möglichkeiten, so Sass. „Dazu kommt: Je attraktiver das Gesamtpaket Stadion und Klub wird, desto mehr Vermarktungsmöglichleiten ergeben sich wiederum.“ Auch die Zahl der Veranstaltungen außerhalb des Spielbetriebs wachse durch zusätzliche Räumlichkeiten.

Der SC Preußen setzt zudem weiter auf vergleichsweise schlanke Strukturen. Heißt im Klartext: Der SC Preußen baut seine Personalstärke nur behutsam auf, liegt damit im Vergleich zu anderen Klubs aber noch immer im unteren Bereich. Das hat Nachteile, aber auch Vorteile. „Wir müssen nach dem Abstieg nämlich keine Stellen kürzen“, wie Sass betont. Sicher, in der kommenden Drittliga-Saison werde der SC Preußen jetzt einem Teil der finanziellen Polster verbrauchen. Denn in der kommenden Saison werden vor allem (vergleichsweise günstige) Stehplätze hinzukommen, aber noch keine teuren Business-Seats. Das will Sass allerdings keinesfalls als Nachteil sehen. Menschen kämen wegen der Atmosphäre ins Stadion und die werde ab Sommer auf der Ost entstehen. Anders gesagt: Die Steher selbst bringen nicht das große Geld. Aber sie sorgen dafür, dass das Geld kommt.

Ab der Saison 2027/2028 soll sich der SC Preußen aber mit neuer Infrastruktur auch in der 3. Liga nachhaltig tragen.

So hängt am Ende alles zusammen und genau deswegen nimmt das Stadion einen so hohen Stellenwert beim SC Preußen Münster ein. 2027/2028 ist der Marker. Dann soll sich alles beweisen.

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