In Braunschweig wackelt der Anschluss
Vor einer Woche bekam der SC Preußen Münster noch eine fast perfekte Steilvorlage der Konkurrenz – und patzte selbst brutal gegen Kaiserslautern. Die Ergebnisse der 2. Bundesliga vom Freitag liefen diesmal ganz anders: Zwei direkte Konkurrenten der Preußen gewannen und ließen den SCP über Nacht tabellarisch hinter sich. Allen Beteuerungen aus dem Lager der Preußen zum Trotz droht der SCP am Sonntag im Falle einer Niederlage in Braunschweig den Anschluss in der Liga zu verlieren.
Es ist ganz einfach. Die kommenden sechs Wochen werden wahrscheinlich darüber entscheiden, ob die Preußen ein drittes Zweitligajahr bekommen oder ob es wie vor drei Jahrzehnten nur zu zwei Spielzeiten reicht. Denn nach Braunschweig und Hertha spielt der SCP viermal gegen die direkte Konkurrenz – gegen Dresden,Magdeburg, Kiel und Fürth. Da muss man nicht drumherumreden: Wenn der SC Preußen in diesen direkten Duellen nicht ganz schnell in die Spur findet, ist der Klassenerhalt vielleicht schon vor dem brutalen Finale gegen Hannover, Darmstadt und Elversberg aussichtslos weit weg.
Mindset
Mit welchem „Mindset“ die Mannschaft nun in die letzte elf Spiele geht, ist ihre Sache. Sorgt die schwierige Lage dafür, dass die Köpfe nach unten gehen? Dass das Team mit Angst in die Partien geht? Oder dass die Preußen in jedem Spiel die Chance sehen, die Lage zu verbessern? Bisher macht der SCP als Ganzes nicht den Eindruck, als würde ein Panikmodus um sich greifen. Das Trainerteam genießt Rückendeckung und auch die Mannschaft wirkt keinesfalls zersplittert und mit sich selbst beschäftigt. Gleichzeitig mischen sich die verdächtigen Aussagen in die Berichte der Preußen. Die Moral „stimme zu 100 Prozent“, man müsse nun einfach den „Ergebnisbock umstoßen“, heißt es beim SCP. Solche Schlüsselwörter sind in aller Regel verlässliches Zeichen dafür, dass die Lage angespannt ist. Man nennt sie auch „Pfeifen im Wind“. Denn ohne echte Taten bleibt es bei hohlen Beschwörungen.
Tabelle 24. Spieltag| Klub | Sp. | S | U | N | Tore | Verh. | P | |
| 1.) | FC Schalke 04 | 23 | 14 | 4 | 5 | 33:20 | 13 | 46 |
| 2.) | SV Darmstadt | 24 | 12 | 9 | 3 | 45:28 | 17 | 45 |
| 3.) | SV Elversberg | 23 | 13 | 5 | 5 | 42:25 | 17 | 44 |
| 4.) | SC Paderborn 07 | 23 | 13 | 4 | 6 | 38:26 | 12 | 43 |
| 5.) | Hannover 96 | 23 | 12 | 6 | 5 | 41:30 | 11 | 42 |
| 6.) | 1. FC Kaiserslautern | 23 | 11 | 4 | 8 | 39:33 | 6 | 37 |
| 7.) | Hertha BSC | 23 | 9 | 7 | 7 | 32:28 | 4 | 34 |
| 8.) | 1. FC Nürnberg | 23 | 8 | 6 | 9 | 30:32 | -2 | 30 |
| 9.) | Karlsruher SC | 23 | 8 | 6 | 9 | 34:43 | -9 | 30 |
| 10.) | VfL Bochum | 24 | 7 | 8 | 9 | 32:30 | 2 | 29 |
| 11.) | Fortuna Düsseldorf | 24 | 8 | 4 | 12 | 23:34 | -11 | 28 |
| 12.) | Arminia Bielefeld | 23 | 7 | 6 | 10 | 36:32 | 4 | 27 |
| 13.) | Dynamo Dresden | 24 | 6 | 7 | 11 | 35:41 | -6 | 25 |
| 14.) | Eintracht Braunschweig | 23 | 7 | 4 | 12 | 26:40 | -14 | 25 |
| 15.) | Holstein Kiel | 23 | 6 | 6 | 11 | 28:34 | -6 | 24 |
| 16.) | SC Preußen Münster | 23 | 5 | 8 | 10 | 27:35 | -8 | 23 |
| 17.) | 1. FC Magdeburg | 23 | 7 | 2 | 14 | 34:44 | -10 | 23 |
| 18.) | SpVgg Greuther Fürth | 23 | 6 | 4 | 13 | 34:54 | -20 | 22 |
Die Klubs auf den Plätzen 1 und 2 steigen direkt in die Bundesliga auf. Der Drittplatzierte der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga. Der Tabellen-16. der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Dritten der 3. Liga, die beiden Klubs auf den Plätzen 17 und 18 steigen direkt in die 3. Liga ab.
Und genau diese Taten fehlten zuletzt viel zu oft. Die Sturm- und Drangzeiten in der 2. Bundesliga sind beim SC Preußen schon sehr lang vorbei. Der Spielstil der Preußen war nach wenigen Wochen in der Liga entschlüsselt und seitdem stehen die meisten Gegner dem SCP engmaschig auf den Füßen. Ein „riskantes“ Spiel sei das für die Gegner, wertete zuletzt Trainer Alexander Ende, denn diese Art von Gegenwehr müsste theoretisch Raum für schnelle Umschaltmomente oder öffnende Pässe geben. Genau das passiert aber viel zu selten.
Tore muss sich der SCP derzeit so mühsam erarbeiten, dass es fast weh tut. Zuletzt gegen Kaiserslautern war Abwehrmann Jannis Heuer auf einmal der Doppeltorschütze. Der Trainer lobte diese Tatsache und schob das auf einen veränderten Denkansatz im Preußen-Spiel. Bessere Standards, mehr Bälle in die „Box“, in die gefährlichen Räume.
Personal: Natürlich fehlt dem SCP weiterhin das dauerverletzte Team aus Antonio Tikvic, Simon Scherder und Malik Batmaz. Seit längerer Zeit fehlt auch Luca Bolay sowie Lars Lokotsch. Neu im Verletztenteam ist Tobias Raschl, der sich im Lautern-Spiel direkt verletzt hat. Unter der Woche fehlten krankheitsbedingt Zidan Sertdemir und Marvin Schulz, die zwar wieder im Training sind, aber sicher nicht zu 100 Prozent fit sind. Mikkel Kirkeskov, Joshua Mees, Oscar Vilhelmsson und Marcel Benger haben wieder mittrainiert – aber es ist schwer vorstellbar, dass gerade Spieler wie Mees oder Vilhelmsson nach ihren langen Ausfällen irgendeine Rolle spielen werden. Gute Nachricht: Jorrit Hendrix ist wieder mit an Bord.
Das bekommt der SCP derzeit aber nicht hin. Mehr noch: Lediglich das Spiel gegen Karlsruhe, als die Preußen in der ersten Halbzeit Chancen für gleich zwei oder drei Spiele herausarbeiteten, gab Anlass zur Hoffnung. Doch sowohl diese Partie wie auch das Spiel in Paderborn schenkte der SCP durch Platzverweise selbst her. Nürnberg, Bochum, Düsseldorf waren teilweise ganz zähe Dinger und gegen Kaiserslautern agierte der SCP eine Halbzeit lang wie gelähmt. Mut kann daraus nur bedingt ziehen.
In der Rückrundentabelle ist der SCP mit drei mickrigen Punkten alleiniges Schlusslicht. In der Auswärtstabelle teilen sich die Preußen den letzten Platz mit Nürnberg. Das ist alarmierend.
Es kann schnell anders laufen
Das Schöne am Fußball – oder das, was Hoffnung macht – ist: es geht oft ganz schnell. Ein Sieg in Braunschweig und die Gefühlslage würde sich sofort verbessern. Was das mit den Köpfen machen würde, kann man erahnen. Das furiose Saisonfinale im vergangenen Jahr kann man zwar als Beweis für so eine Schnelllebigkeit heranziehen, aber dafür bräuchte es dann auch einen Impuls wie damals die Entlassung von Sascha Hildmann – und das will man ja in Münster nicht zwingend wiederholen. Was einmal gelang, wird nicht ein zweites Mal automatisch funktionieren.
Aber erstens zeigt die Mannschaft, dass sie in jedem Fall über die fußballerischen Mittel verfügt, um in Braunschweig erfolgreich zu sein. Und zweitens dominiert im Umfeld noch immer die Bereitschaft, das Team zu unterstützen. Am Sonntag werden über 2.000 Anhänger dabei sein und genau dafür auf den Rängen arbeiten. Die Aufgabe ist aber ziemlich simpel. Elf Spiele noch und es müssen Punkte her. Und dafür steht die Mannschaft am Sonntag ab 13.30 Uhr unter Beweispflicht.

