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Von 100 auf Null: Preußen Münster bricht völlig zusammen

Von 100 auf Null: Preußen Münster bricht völlig zusammen
Totale Ernüchterung nach Abpfiff. Foto: firo sportphoto

Rätselhafte Vorstellungen hat der SC Preußen Münster in dieser Saison schon einige Male abgeliefert. Die Präsentation am Samstagnachmittag in Großaspach dürfte aber das bisher sagenhafteste Stück gewesen sein – in negativem Sinn. Völlig ohne Not schleuderte der SCP beim selbsternannten „Dorfclub“ einen völlig ungefährdeten Auswärtssieg weg und sich selbst zugleich in den Abstiegskampf.

Denn der – das muss man mittlerweile so klar sagen – ist jetzt Realittät. Nach einer katastrophalen englischen Woche mit nur einem Punkt ist der SCP zunächst auf Platz 12 abgestürzt, kann aber am Sonntag bis Platz 14 abrutschen. Schlimmer noch: Bis zu einem Abstiegsplatz sind es nur noch zwei Punkte. Urplötzlich, aber keineswegs überraschend, steckt der SC Preußen in einer handfesten Krise. 

Das Spiel in Großaspach lieferte dazu alle notwendigen Hinweise. Mit Blick auf die volle Woche und auch als Reaktion auf ein paar müdere Auftritte wechselte Thomas Wörle ordentlich aus – Überraschungen inklusive. Dass Jakob Korte nach bisher null Minuten in der 3. Liga aus dem Stand ins Herz der Mannschaft rückte, war nicht zu erwarten. Aber dort hat der SCP eben auch eine Baustelle, die bisher nicht erledigt ist. Neben Korte kehrte auch Wesley Adeh nach vielen Wochen in die Startelf zurück. Das galt auch für Tim Dietrich, der den zuletzt arg anfälligen Antionio Tikvic ersetzte. 

Zeichen gesetzt

Und die neue Elf setzte von Beginn an Zeichen. Die Mannschaft lieferte 45 Minuten einen so professionellen Auftritt ab, dass man das Gefühl hatte, nur die Höhe des Sieges würde interessant werden. Das war kein glänzender Show-Fußball, das war routinierte Arbeit, klarer Fußball. 

Felix Higl steuerte vorne seinen Part bei: Torge Paetows Zuspiel verwertete der Ex-Fürther ganz nüchtern nach einem Fußwechsel neben den Pfosten zum frühen 1:0 (16.). Das war ein schöner Start – und verdient.

Felix Higl jubelt nach seinem 1:0. Hinten kommt Torge Paetow an. Foto: firo sportphoto
Felix Higl jubelt nach seinem 1:0. Hinten kommt Torge Paetow an. Foto: firo sportphoto

Joshua Mees, nach langer Pause ebenfalls mal wieder in der Startelf, hatte das 2:0 auf dem Kopf, verfehlte diesmal aber den langen Pfosten knapp. Aber Higl markierte Sekunden vor der Pause doch noch den zweiten Treffer: Weil Großaspach den Ball nach einer Ecke nicht wegverteidigte, fiel er Higl vor die Füße und der hatte keine Mühe, aus anderthalb Metern zu treffen. 

Spieldaten:

Das ging auch alles genau so in Ordnung, denn die Gastgeber bekamen in Halbzeit eins kaum einen Fuß an den Boden und hatten nur eine Chance, als Pollex aus 15 Metern satt Richtung Tor zielte und Behrens den Ball gerade noch über die Latte lenkte. Sonst kam nichts – nur konsternierte Gesichter bei den Gastgebern. Und beste Laune beim SCP. Ein blitzsauberes Auswärtsspiel.

Leider war es nach 45 Minuten beendet. Dann begann die Horror-Show. 

Kaum standen beide Teams wieder auf dem Feld, wurde alles anders. Münster verhielt sich einfach unverständlich passiv, verlor minütlich immer mehr die Kontrolle und lief bis zum Ende des Spiels weitgehend hinterher.

Der Anschlusstreffer nach 61 Minuten durch Tim Rossmann war offenbar zuerst ein Schönheitsfehler und ein kleiner Weckruf. Leider nur für die Gastgeber, nicht für die Preußen. Schon die Entstehung dieses Treffers war symbolisch. Den Steckpass auf Rossmann sah niemand kommen, dann verlor der SCP einfach den Kontakt und den endgültigen Schuss lenkte Zeller im Fallen noch so blöd ab, dass er Morten Behrens durch die Beine flutschte. Das sah nicht nur schwach aus, das war es auch. Ein typischer Gegentreffer.

Nur zwei Minuten später lag der Ausgleich in der Luft, aber den Schuss von Pollex klärte Varelmann am Ende gerade noch vor dem Tor. 

Vierfach-Wechsel

Auf die angeschlagene Leistung reagierte Wörle, wechselte gleich vierfach. Und natürlich passte ins Bild, dass sich Tikvic erst einmal die Gelbe Karte abholte. Ja, und dann nur Sekunden später glich Fabian Eisele wirklich aus. Der erste Kopfball wurde noch von Behrens geklärt, aber den Abpraller drückte Eisele dann doch über die Linie. 

Der Ausgleich machte den SCP wütend, natürlich. Kurzzeitig raffte sich die Mannschaft auf, aber von der Leistung und der klaren Struktur der ersten Hälfte war da nichts mehr übrig geblieben. Chancen gab es keine mehr. 

Stattdessen setzte Großaspach die Preußen schachmatt. Und zwar blitzschnell. Abschlag vom Großaspacher Tor, Pollex zog ab, Behrens klärte auf die denkbar dümmste Art und Weise – direkt nach vorn vor die Füße von Eisele, der dann keine Mühe hatte, zum 3:2 zu treffen (83.). 

Ein einziges Mal kam der SCP zur Chance: Der junge Marvin Schulz wuchtete den Ball aus wenigen Metern aber nicht ins Tor. Das war es. Der Abpfiff war Erlösung und Startpfiff zu einem sehr schwierigen Nachbearbeitung. Aus der Kurve mit fast 500 mitgereisten Preußenfans gab es ein paar Ansagen – aber dann wenigstens den obligatorischen Schulterschluss mit den Fans. Diese Geste sollte allerdings nicht trügen: Noch so ein Auftritt und die Laune im Umfeld dürfte umschlagen. 

Tabelle 10. Spieltag
KlubSp.SUNToreVerh.P
1.)MSV Duisburg980126:111524
2.)FC Viktoria Köln961226:131319
3.)RW Essen1053218:13518
4.)1. FC Saarbrücken1052324:17717
5.)FC Hansa Rostock1043317:19-215
6.)VfB Stuttgart II1042417:18-114
7.)Alemannia Aachen1042415:16-114
8.)FC Ingolstadt1042413:15-214
9.)Fortuna Düsseldorf1042411:13-214
10.)TSG Hoffenheim II941418:14413
11.)SV Waldhof Mannheim1041516:16013
12.)SC Preußen Münster1033418:21-312
13.)SC Verl933314:17-312
14.)SV Wehen Wiesbaden1033412:15-312
15.)SG Sonnenhof Großaspach1033412:18-612
16.)Würzburger Kickers1032515:19-411
17.)SSV Jahn Regensburg1024420:19110
18.)Fortuna Köln102448:11-310
19.)SV Meppen931511:16-510
20.)TSV Havelse912612:22-105

Die Klubs auf den Plätzen 1 und 2 steigen direkt in die 2. Bundesliga auf. Der Drittplatzierte der 3. Liga spielt in der Relegation gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga. Die Klubs auf den Plätzen 17 bis 20 steigen direkt in die Regionalliga ab.

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