Jorrit Hendrix beschämt – Fans verweigern Alexander Endes Team die Unterstützung
Niemals, unter keinen Umständen hätte irgendwer beim SC Preußen Münster mit so einem Auftritt der Preußen gerechnet. Aber das 0:6 in Dresden war die konsequente Fortsetzung des bemerkenswerten Absturzes, den der gesamte SCP seit Beginn der Rückrunde hingelegt hat. Nichts scheint mehr zu gehen, die Entwicklung zeigt mittlerweile doch sehr in Richtung Abstieg. Die Zahl der kollektiven und individuellen Fehler ist einfach nicht korrigierbar. Wenn der SC Preußen Münster reagieren wollte, müsste er es jetzt tun.
Das vielleicht gefährlichste Zeichen für den SC Preußen Münster wurde nach Abpfiff gesetzt. Seit mittlerweile Jahren gehört das gemeinsame Ritual „alle zusammen für Preußen Münster“ zu den festen Einheiten nach Spielende. Das Ritual hat auch schon schwierige Momente und bittere Niederlagen überstanden. Aber die gemeinsame Selbstversicherung war immer eine Art Sicherheitspunkt, ein Halt.
Zeichen aus der Kurve
In Dresden fiel dieses Zeichen mit der Mannschaft aus, blieb Sache der Fans allein. Den Preußen dagegen schlug aus dem Block der mitgereisten Fans Wut und Enttäuschung entgegen und wenn etwas in so einer kritischen Saisonphase Gift ist, dann ein Auseinanderleben zwischen Fans und Mannschaft. Bisher war der Frust nur auf Facebook zu spüren, jetzt ist er ins Stadion geschwappt und das ist ein Zeichen, das der SC Preußen Münster nicht übersehen darf.
„Ich schäme mich“, meinte Kapitän Jorrit Hendrix nach dem Spiel gegenüber „Sky“. „Man kann verlieren, aber nicht so. Das darf nicht sein.“
Es war tatsächlich schwer zu verkraften. Schon die jüngsten Spiele lieferten allen Ansagen zum Trotz nur bedingt Anlass für Hoffnung. Das ständig wiederholte „dann eben nächste Woche“ ist längst eine Floskel ohne Gewicht geworden, weil „nächste Woche“ oft der nächste Tiefschlag folgt. Und jetzt können nicht einmal mehr die Verletzten als Ausrede dienen. Nur für zwei, drei Minuten war der SC Preußen nach Anpfiff im Spiel, dann segelten die Bälle eher in Richtung Schenks Tor. Und nach dem Führungstreffer für Dresden durch Ben Bobzien fiel das Team einfach komplett auseinander. Schlimmste Fehler, verlorene Zweikämpfe, Ballverluste aus der Hölle. Das war trostlos.
„Nicht ad hoc zu erklären“
Auch Geschäftsführer Ole Kittner konnte nichts beschönigen. „Das ist so ad hoc nicht zu erklären“, gab er bei „Sky“ zu. Es sei die vielleicht bitterste Niederlage mit Münster, weil es ein so wichtiges Spiel bei einem direkten Konkurrenten gewesen sei. „Und wir haben es nicht geschafft, etwas auf den Platz zu bringen. Das war ganz weit weg vom eigenen Anspruch.“
Natürlich werde man das Spiel nun sehr intensiv analysieren müssen, schaute Kittner voraus. Zugleich betonte er aber auch, dass der SCP ja den Klassenerhalt in der eigenen Hand habe.
Aber hat er das?
In der Hand kann man nur haben, was man leistet. Und das, was der SCP jetzt im neunten Spiel der Rückrunde ablieferte, war nichts. Ein einziger Sieg in der Rückrunde, dazu aber bitterste Niederlagen gegen Karlsruhe, Paderborn, Kaiserslautern, Hertha und nun Dresden. Die Mannschaft und das Trainerteam befinden sich im freien Fall. Dass Münsters Sommer-Spielstil seit Monaten Geschichte ist, ist längst klar. Die Mittel gegen Alexander Endes System sind simpel und effektiv und werden von Gegner energisch umgesetzt.
Anfällig in jeder Hinsicht
Aber kaum eine Niederlage folgte dem gleichen Muster. Mal waren es Platzverweise, die das Team entscheidend schwächten. Mal waren es individuelle Aussetzer, die Gegentore ermöglichten. Immer wieder ist es nun das komplette Teamverhalten, das derzeit nicht zweitligatauglich ist. Offensiv wie defensiv. Das lässt den Schluss zu, dass die Köpfe nicht mehr mitmachen und das Vertrauen schwindet. Wie anfällig das gesamte System „Preußen Münster“ ist, zeigte sich am Sonntag sehr deutlich nach der Halbzeit. Wer einen stabileren Auftritt erwartet hatte, etwas Aufbäumen, sah sich komplett enttäuscht. Die Mannschaft riss sich nicht zusammen, sondern zerbröselte in der zweiten Hälfte gegen ein rauschhaftes Dynamo, da war nichts mehr zu retten.
Das Problem: Wie soll nach einem Auftritt wie in Dresden oder zuvor gegen Hertha das „Mindset“ gegen Magdeburg stimmen? Das ist mit den bisherigen Mitteln nicht mehr zu stemmen. Und die alte Leier im Fußball ist diese: Wenn man nicht die Spieler wechseln kann, muss man den Kapitän wechseln. Bei „Sky“ ahnte Ex-Stürmer Simon Terrodde, dass der SCP „in einer neuen Konstellation“ weitermachen werde. Der TV-Sender hakte auch bei Ole Kittner nach. „Ich selbst stehe in der Verantwortung wie die Spieler und Trainerteam auch“, meinte er. „Heute können sich sehr viele Leute an die eigene Nase fassen“, so Kittners Hinweis in Richtung Mannschaft. Es sei aber jetzt nicht die Zeit, mit dem Finger auf einzelne Personen zu zeigen. Auf die Fragen nach Alexander Endes Zukunft ließ sich Kittner bewusst nicht ein.
Wer hat die Idee?
Die Dinge liegen aber ziemlich einfach: In den nächsten direkten Duellen (Magdeburg, Kiel, Fürth) wird sich entscheiden, ob der SC Preußen im Saisonfinale (Schalke, Bielefeld, Hannover, Darmstadt und Elversberg) überhaupt noch eine Chance hat. Wenn der SCP jetzt nicht umgehend punktet, wird er abgehängt, noch ehe es ins Finale geht. Aber wie soll diese Mannschaft nach den bisherigen Auftritten 2026 so eine Kurve kriegen? Dafür braucht es eigentlich einen Impuls. Im vergangenen Jahr gelang das „Harakiri-Manöver“ mit dem Interims-Trio Pander, Schulze-Marmeling und Weinfurtner und einem Team aus engagierten Mitstreitern aus dem Klub. Aber das ist keine Garantie und schon gar keine Blaupause. Diese Karte hat der SCP eigentlich bereits gespielt. Außerdem: Trainerwechsel sind kein Selbstläufer. Auf jeden gelungenen Versuch kommt ein erfolgloser.
Wenn die Preußen sich trotzdem zu einer personellen Reaktion entschlössen, dann ginge das aber eigentlich nur noch jetzt – vor den nächsten drei direkten Duellen. Sonst kann man es auch lassen. Wenn es dagegen ohne Trainerwechsel gehen soll, braucht allerdings irgendwer sehr schnell eine zündende Idee, wie man dieser fehleranfälligen und selbst längst ideenlosen Mannschaft neuen Halt geben kann. Aber wie soll das noch gehen? Gegen diese Anhäufung von Unordnung und Fehlern ist offensichtlich mit den bisherigen Mitteln nichts auszurichten. Sonst wäre es bereits gelungen.
Ole Kittner und Jan Uphues kann man nur die Daumen drücken.
Tabelle 26. Spieltag| Klub | Sp. | S | U | N | Tore | Verh. | P | |
| 1.) | FC Schalke 04 | 26 | 15 | 6 | 5 | 37:23 | 14 | 51 |
| 2.) | SV Darmstadt | 26 | 13 | 10 | 3 | 48:29 | 19 | 49 |
| 3.) | SV Elversberg | 26 | 14 | 6 | 6 | 44:28 | 16 | 48 |
| 4.) | SC Paderborn 07 | 26 | 14 | 6 | 6 | 43:30 | 13 | 48 |
| 5.) | Hannover 96 | 26 | 13 | 7 | 6 | 45:34 | 11 | 46 |
| 6.) | Hertha BSC | 26 | 11 | 8 | 7 | 37:31 | 6 | 41 |
| 7.) | 1. FC Kaiserslautern | 26 | 12 | 4 | 10 | 45:38 | 7 | 40 |
| 8.) | Karlsruher SC | 26 | 9 | 7 | 10 | 40:50 | -10 | 34 |
| 9.) | VfL Bochum | 26 | 8 | 9 | 9 | 36:33 | 3 | 33 |
| 10.) | 1. FC Nürnberg | 26 | 9 | 6 | 11 | 34:37 | -3 | 33 |
| 11.) | Fortuna Düsseldorf | 26 | 9 | 4 | 13 | 24:35 | -11 | 31 |
| 12.) | Dynamo Dresden | 26 | 7 | 8 | 11 | 44:44 | 0 | 29 |
| 13.) | Eintracht Braunschweig | 26 | 8 | 5 | 13 | 29:43 | -14 | 29 |
| 14.) | SpVgg Greuther Fürth | 26 | 8 | 5 | 13 | 39:56 | -17 | 29 |
| 15.) | Arminia Bielefeld | 26 | 7 | 7 | 12 | 38:36 | 2 | 28 |
| 16.) | SC Preußen Münster | 26 | 6 | 8 | 12 | 30:44 | -14 | 26 |
| 17.) | Holstein Kiel | 26 | 6 | 7 | 13 | 31:40 | -9 | 25 |
| 18.) | 1. FC Magdeburg | 26 | 7 | 3 | 16 | 36:49 | -13 | 24 |
Die Klubs auf den Plätzen 1 und 2 steigen direkt in die Bundesliga auf. Der Drittplatzierte der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga. Der Tabellen-16. der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Dritten der 3. Liga, die beiden Klubs auf den Plätzen 17 und 18 steigen direkt in die 3. Liga ab.


Der Analyse im Artikel ist zuzustimmen. Allerdings ist die Entwicklung seit MONATEN absehbar, die Mannschaft KANN das Ende-System nicht STABIL und DAUERHAFT umsetzen (zu viele technisch limitierte Spieler, besonders in der Defensive). Ohne Trainerwechsel sehe ich keinerlei Chancen mehr auf einen Klassenerhalt (damit sage ich nichts gegen den Menschen Alexander Ende). Auch wenn das jetzt sehr konfliktär ist: Ich würde gerne erneut Marco Antwerpen an der Linie sehen, auch oder gerade weil er strak polarisiert. Er hat mehrfach Mannschaften als Feuerwehrmann vor Abstiegen gerettet und ist ein Agressive Leader an der Seitenlinie, der der Mannschaft ggf. (?) neues Selbstvertrauen vermitteln kann. Er kennt den Verein und das Umfeld und war beim SCP als Trainer erfolgreich. Mit Osnabrück ließe sich sicher binnen Tagen eine vertragliche Lösung finden. Man kann den Vorschlag gerne kritisieren, ein besserer fällt mir nicht ein. Oder, das wäre auch ok, der Verein sagt, wir gehen mit A.E. auch in Liga drei. Das fände ich durchaus konsequent und respektvoll. Warten wir es ab…Grüße aus dem Intercity-Hotel DD.