Grodowski macht jetzt den Stier
Bielefeld gegen Münster. Das ist Derby. Es ist auch ein Wiedersehen mit Joel Grodowski. Der trug noch bis Januar das Trikot des SC Preußen Münster, ehe er flüchtete – ausgerechnet nach Ostwestfalen. Und es gibt ja Ex-Spieler, die man ins Herz geschlossen hat. Grodowski gehört nicht dazu.
Mit Tempo spielte sich Grodowski dabei einst in die Herzen vieler Fans an der Hammer Straße. Als er 2019 aus Hamm nach Münster wechselte, war er zunächst Teil der Abstiegself. In 15 Einsätzen erzielte er ein Tor, kam aber fast ebenso häufig in der Oberliga-Elf des SC Preußen zum Einsatz (2 Tore). Es war ein durchwachsener Start.
Nach dem Abstieg der Adler in die Regionalliga kamen seine Fähigkeiten besser zum Tragen: 32 Spiele und acht Tore lieferte er in dieser Saison ab, die ihn auch für andere Klubs interessant machte. Verls Lockruf in die 3. Liga widerstand er 2021 nicht und verabschiedete sich aus Münster. Zwei Jahre war er an der Poststraße im Einsatz, ehe er 2023 wieder zum SCP zurückkehrte, der gerade in die 3. Liga aufgestiegen war. Eine absolute „Wunschlösung“, wie er damals sagte, als die Preußen ihn als Neuzugang vorstellten. Es begann die Zeit des Adler-Jubels.
Ein gutes Jahr…
Grodowski trug mit 17 Toren in der 3. Liga dazu bei, dass sich die Preußen wunderbarerweise in die 2. Bundesliga hievten. Dort – so ehrlich müsste auch der Spieler sein – bekam er seine Power, seine Stärken aus der Vorsaison nicht in die neue Spielklasse übertragen. Der SCP, als Überraschungsaufsteiger in der Hackordnung ganz hinten, musste die Prioritäten anders setzen. Statt Hurra-Fußball schnürte der SCP sich kompakter ein. Das sollte eigentlich auch Grodowskis Tempo in Szene setzen, wenn die Preußen schnell umschalteten – das war zumindest der Gedanke.
In der Realität war es so, dass sich Grodowski oft festlief im Deckungsverbund der Gegner. Trotzdem war er ständig gesetzt, zehn Startelfeinsätze kamen so zusammen. Ein Tor gelang ihm allerdings nur einmal – beim 3:0 gegen hoffnungslos überforderte Regensburger. Ansonsten blieb er ohne Torerfolg und wer damals die Spiele sah, müsste bemerkt haben, wie sich Grodowski aufrieb.
… zur Ersatzbank
Folgerichtig rückte er zum Winter 2024 aus der Startelf eher Richtung Ersatzbank. Vor der Winterpause kam er in den letzten drei Spielen zweimal gar nicht zum Einsatz, kam einmal nur von der Bank. Die Pause war aber offenbar eine Majestätsbeleidigung für den Spieler, der auf dem Platz oft mit einer seltsamen Körpersprache verwunderte (sein stets hängender Kopf und Reklamationen gegenüber Gegenspielern sind nicht vergessen).
In einem jüngsten Interview mit den „Westfälischen Nachrichten“ erklärte er, er habe in Münster das Gefühl gehabt, nicht mehr gebraucht zu werden. Mehr als nur zwischen den Zeilen war dort (und auch in der „BILD“) zu lesen, dass er dabei Ex-Trainer Sascha Hildmann als Schuldigen ausgemacht hatte. Also ausgerechnet den Trainer, unter dem er zugleich seine beste Zeit als Profi hatte. Darüber mag sich jeder selbst ein Bild machen.
Wollte weg. Unbedingt.
Zudem: Wer sich nach seiner Flucht nach Bielefeld – und anders kann man das nicht nennen – beim SCP umhörte, der erfuhr, dass die Sportliche Leitung mit Engelszungen auf Grodowski eingeredet hatte, sich der sportlichen Situation zu stellen und weiter zu arbeiten. Das war für den Stürmer aber offenbar unmöglich. Die Mitteilung, die der SCP im Januar verschickte, machte das mehr als deutlich. „Nach dem Aufstiegsjahr und der Vertragsverlängerung im Sommer hätten wir uns alle einen anderen Verlauf gewünscht. Wir sind auch sicher, dass Joels Fähigkeiten weiterhin für Preußen hätten hilfreich sein können. Joel hat aber deutlich formuliert, dass er für sich bei Preußen Münster keine Zukunft sieht“, hieß es darin. Grodowski wollte weg, wollte sich in Münster nicht den Herausforderungen stellen. Es gab keine Chance, den Spieler zu halten. Es gab schon Spieler in Münster, die mehr gekämpft haben – Thorben Deters fällt sofort ein.
Nun war der Wechsel für Grodowski goldrichtig – gerade in der Nachbetrachtung. Das ist nicht einmal das Thema, denn so romantisch sollte man als Fußballanhänger nicht sein, sein Herz allzusehr an Berufsfußballer zu hängen. Berufsfußballer müssen sehen, dass sie spielen, um Geld in dem kurzen Zeitfenster zu verdienen. Und mehr noch: Es kann halt nicht jeder ein Simon Scherder sein.
Billige Fassade
Womit sich der Spieler, der am Sonntag seinen 28. Geburtstag feiert, unbeliebt gemacht hat? Er hat gezeigt, dass seine scheinbar tiefe Zuneigung zum SC Preußen letztlich nur eine billige Fassade war. Der Adler-Jubel vor der Fiffi-Gerritzen-Kurve hatte in Bielefeld schnell ausgedient – Grodowski schuf sich einfach ein neues Symbol, den „Stier“-Jubel. Das Wappentier der Arminia. Heute so, morgen so – das ist genau das Verhalten, auf das Fans allergisch reagieren. Wenn aus vermeintlicher Zuneigung und einer echten Beziehung so schnell eine oberflächliche Geste wird, braucht es sie gar nicht. Mal schauen, was er sich für seinen nächsten Klub überlegt.
In den Interviews vor dem Derby war von allzu großer Liebe in Richtung Münster auch nicht mehr viel zu spüren. Seine Beziehungen in die Stadt und zum Klub sind erkaltet. Das dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen.


Carsten danke für den Kommentar. Ich persönlich finde die Einschätzung mancher Sky Kommentatoren zu ihm fragwürdig. Von ihnen wird das Märchen verbreitet, dass er nicht genug Einsatzzeiten in Münster gehabt hätte…
Jetzt aber noch etwas zu ihm, Joel Wagner. Der charakterlichen Enttäuschung schlechthin, aber war etwas anderes zu erwarten? Meiner Meinung nach nicht… Wenn man zurück in die letzte Saison blickt, hat er mit der Vorlage in Fürth stark begonnen, aber dann ging der Kopf auch schnell wieder nach unten. Er schenkte unzählige Konter durchs Festlaufen her oder ließ sich Fallen. Durch ausbleibende Leistung ging’s für ihn raus auf die Bank und ab dort rief ihn das Geld nach Ostwestfalen.
Zusammenfassend lässt sich für mich sagen menschlich sicherlich kein großer Verlust. Er zeigt wenig Charakter und bleibt ein undankbares …
Ich hoffe euch geht’s da ähnlich wie mir und ihr vergesst das nicht