Bedingt schlaue Aktion gegen den VAR
Es gibt wenige Themen, bei denen sich Fanszenen unterschiedlicher Klubs so einig sind. Kollektivstrafen, Stadionverbote – das sind solche Themen. Und der VAR. Der Einsatz des externen Videoschiedsrichters, der den Fußball gerechter machen soll, bringt in seiner Gesamtheit mehr Fragen als Antworten. Am Sonntag in Münster fand der Protest dagegen eine völlig neue Note – dort wurde der VAR in gewisser Weise sabotiert.
Es war kurz vor der Halbzeit. Einen Zweikampf an der Strafraumgrenze zwischen Koulis und Cuisance ließ Schiedsrichter Felix Bickel weiterlaufen. Als der kurz danach folgende Hertha-Einwurf nicht ausgeführt wurde, ahnte man schon, was gleich passieren würde. Tatsächlich meldete sich der VAR, um den Einsatz von Koulis zu bewerten. Es dauerte allerdings ziemlich lang, ehe Bickel dann den Weg zum Bildschirm suchte – was dafür sprach, dass die Sache eben nicht völlig eindeutig war. Die Fans des SCP und von Hertha vertrieben sich die Zeit mit einem gemeinsamen Wechselgesang gegen den VAR und den DFB.
Als Bickel wiederum an der Seitenlinie ankam, sah er… schwarz. Zunächst unbeachtet von den meisten Zuschauern war ein Anhänger aus dem Preußenblock vermummt in den Innenraum gelangt und hatte dort offenbar das Gerät vom Strom getrennt. Das alles dauerte nur wenige Sekunden, dann war die Person wieder im Block des SCP verschwunden.
Weil nur kurz danach ein Banner im Blick zu sehen war „Dem VAR den Stecker ziehen“, deutete vieles darauf hin, dass die Aktion sozusagen auf Verdacht hin geplant war. So formulierte es Pressesprecher Marcel Weskamp nach der Partie.

Bickel selbst bekam keine Bilder zu sehen, entschieden wurde dann nach Ansicht der TV-Bilder von VAR-Schiedarichterin Katrin Rafalski. Und zwar auf Strafstoß.
Das war schwierig, denn so völlig glasklar war die Koulis-Aktion offensichtlich nicht – sonst wäre die Entscheidung viel schneller gefallen oder Bickel hätte sie selbst sofort bewertet. Der Schiri hatte eigentlich gute Sicht auf die Situation. Dass im Stadion keine Bilder gezeigt wurden, war also nur bedingt hilfreich und damit war der an sich verständliche und zulässige Protest eben auch nicht hilfreich. Oder sogar nachteilig für den SCP.
Dort, bei den Preußen, herrschte nach dieser Szene eher überschaubar gute Laune. Jetzt ist der SCP um eine Anekdote reicher, denn so eine VAR-Sabotage gab es bisher in Deutschland nicht. Auch das DFB-Sportgericht wird sich jetzt zusammensetzen müssen, um ein Strafmaß zu finden für einen Vorfall, der gar nicht vorgesehen ist. Dass die Preußen schadlos aus der Nummer herauskommen, dürfte eher unwahrscheinlich sein.
Auf der anderen Seite gilt: Für das Spiel war die Szene kurios, auch ärgerlich, aber letztlich ohne echte Konsequenz. Rechnet man die Halbzeitpause ab, brauchten die Preußen gerade drei Minuten, um auf 1:1 zu stellen. Damit war dann binnen kürzester Spielzeit alles wieder auf Anfang. Also was immer jetzt über diese Szene geschrieben wird: Der schwarze Bildschirm hatte am Ende nur sehr bedingt mit dem Spielverlauf zu tun.
Der SCP werden, so Marcel Weskamp, die notwendigen Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Mindestens dürfte ein Gespräch mit dem technischen Dienstleister und dem Ordnungsdienst anstehen. Mehr Kontrolle hier, bessere „Kabelscherheit“ dort.


Was für ein unfassbar dämliches Eigentor der selbsternannten „Fans“ oder gar Ultras unseres SCP. Da meinen Sie also, offenbar ja durchaus breit geplant, das „Gesetz“ selbst in die Hand nehmen zu müssen. Und was ist das Ergebnis? Ein Elfmeter zum Schaden der eigenen Mannschaft, den der Schiri mindestens möglicherweise nicht gegen uns gegeben hätte, wenn er die Bilder hätte sehen können, wird gegeben und wir gehen mit 0:1 statt 0:0 in die Pause. Im schlechtesten Falle hat diese Hybris den SCP 3 Punkte gekostet, die uns noch richtig weh tun können. Danke für absolut gar nichts, Ihr Vollpfosten.
Danke für den Text, dem ich mich nur anschließen kann. Ich bin heute Morgen so aufgewacht, wie ich gestern Abend zu Bett gegangen bin, nämlich total frustriert. Man kann diesen hirnverbrannten Teil der Bevölkerung einfach nicht in den Griff bekommen, das war schon immer so und wird sich auch nie ändern! Da wird die Arbeit von Vielen mit Füßen getreten, die diesen Verein in mühevoller Kleinarbeit dahin gebracht haben, wo er z. Zt. noch steht. Leider aber wohl nicht mehr lange, denn ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Annarchoszene die 3. Liga wieder herbeisehnt, um sich mit Ihresgleichen aus Essen, Rostock, etc. vor und nach den Ligaspielen wieder prügeln zu können, auch mit der Folge, dass das neue Preußenstadion von dieser Szene zumindest in Teilen ebenfalls wieder auseinander genommen wird! Dieses wird ja auch zum Teil von der wohlmeinenden Kuschelabteilung der Bevölkerung stillschweigend gedeckt nach dem Motto: „Die wollen doch nur spielen!“ Das schaurige Ende ist ja bekannt, denn Geschichte wiederholt sich leider immer wieder. Da hilft auch keine Vereinssatzung, welche sich einem tugendhaften Wertekatalog verschrieben hat.
Fußballfans sind keine Verbrecher.
Sei die Veränderung die du dir wünschst. Dieser unsinnige VAR gehört abgeschafft und vielleicht braucht es sogar mehr solcher Aktionen, dass dieser korrupte Haufen beim DFB, Uefa und Fifa merkt, dass die Fans diesen Bullshit nicht wollen
Zunächst: Es war ein glasklarer Elfmeter, Koulis zieht das Bein sogar noch hoch und drückt es nach vorne (warum?, der Spieler ist bereits durch ihn geblockt…) und trifft ihn dann recht übel am Schienbein mit offener Sohle; das ganze Fallen zeigt, dass der Spieler wirklich signifikant getroffen wurde, war also auch gar kein VAR nötig. Erinnerte mich an den saudummen Elfmeter, den Koulis im „Aufstiegsspiel“ gegen Unterhaching verursachte, den MSN dann glücklicherweise hielt. Zum VAR-Übergriff: Es handelt sich um einen aktiven Eingriff in das Spielgeschehen. Falls der DFB das hart spielen würde (bei unseren ganzen Vorstrafen), könnte es sogar zu einem Punktabzug kommen, ggf. wäre das sogar hilfreich dafür, dass einige mal aufwachen…die, die behaupten, der Verein stünde über allem.
Wenn so etwas ein glasklarer Elfmeter ist, dann muss der Strafraum zur „Nichtkontaktzone“ erklärt werden. Für mich war das absolut nichts! Nicht jede Berührung, egal wo auf dem Spielfeld, ist ein Foul.
Die Berührung war kurz und minimal. Lediglich das Standbild der Situation, als Koulis den Gegner berührt, lässt ein ahndungswürdiges Foul vermuten. Dieses Standbild verzerrt meiner Meinung nach jedoch die komplette Situation.
Tritte gegen Schienbeine sind nun mal Elfmeter (zudem ist der Elfer allein schon wg Dummheit, da völlig unnötige Aktion, angemessen), ein Wespenstich dauert auch nur eine Millisekunde, ist minimalinvasiv und dann aber langfristig recht schmerzhaft. Der Spieler erlitt eine sichtbare Verletzung am Bein, wie mehrere Hertha-Offizielle glaubwürdig versicherten. Zudem ist der Elfer auch nebensächlich. Denn: Wir spielen über Monate zunehmend(!), dekodierten(!!), schwachen(!!!) Fußball, auch in BS war das so (bis auf die fantastischen 2 Geistesblitze), wir werden uns nur retten können, wenn wir auf verstärkt physischen Fußball (den Gegner niederringen) umschalten. Die Spieler dazu wären da. Andernfalls sterben wir in Schönheit. Letzlich auch egal. 3. Liga fand ich auch immer spannend. Es kommt wie es kommt.
Die Ultras dürfen das. Schließlich sind das ja die echten Fans. Deshalb dürfen die auch alles Geld verbrennen (für das höhere Wohl), was die anderen mit Eintrittsgeldern und Kauf von Fanartikeln ausgegeben haben…
Wenn ich Eure Kommentare hier lese, dann wünsche ich mir manchmal, dass Block K mal leer bleiben würde.
Nach 4 Wochen würde keiner mehr kommen und es würde aussehen wie in Wolfsburg. Bitte hört dann auch auf Euch im Glanze guter Stimmung auswärts zu sonnen.
Was für eine interessante Diskussion! Beim Elfmeter sind die Meinungen getrennt. Fazit: Es ist auch nach VAR-Ansicht nicht zweifelsfrei (!) möglich, zu entscheiden, ob grobes Foul oder nicht! Cuisance lag mindestens dreimal am Boden, ein „blaues Bein“ ist auch merkwürdig, am Tag danach vielleicht nicht. Der VAR hätte sich nicht zwingend melden müssen, der Schiedsrichter hatte perfekte Sicht. Aber lassen wir das: Die Steckeraktion war kreativ und neu – genaus das fürchtet der DFB! Der VAR müsste längst reformiert werden, wie so vieles im (deutschen) Fußball. Die Funktionäre interessieren sich aber nur für Umsatz, Spesen und Kohle – nichts Neues! Ich stehe normalerweise in Block L unüberdacht. Da ist es kaum auszuhalten. Es wird pausenlos gegessen, getrunken, gemeckert, es werden Geschichten von früher erzählt, Freundschaften gepflegt, auf dem Smartphone gedaddelt etc. Ich bin dann einfach in Block K, glückerlicherweise konnte ich ungehindert wechseln, ich wäre sonst zur Halbzeit nach Hause gegangen! Dort wird wenigstens aktiv supportet! Allerdings: Jede Fußballübertragung beginnt mit: „Die Stimmung hier ist großartig!“…Choreos, Pyro, Spruchbänder, bla bla – das ist halt auch längst moderner Fußball! Der Verein lässt die „aktive Fanszene“ dafür gewähren und hält sich weitgehend aus allem raus. Entstanden ist so eine Art Meinungsdiktatur, unliebsame Zaunfahnen werden einfach entfernt, Toleranz ist dabei ein Fremdwort, die „Ehre der Ultras“ wird zum Gesetz aller Fans erklärt. Ultras bestimmen, wann und wie boycottiert, gestört und unterstützt wird. Das kann auch nicht die Lösung sein. Wolfsburg ist übrigens auch nur ein Produkt, welches häufig den allerletzten Fußball zeigt. Ob es da ruhig oder laut ist, interessiert eh niemanden.
Vorab: ich fand die Aktion als Zeichen des „zivilen Ungehorsams“ gut und richtig, um ein Zeichen zu setzen, dass mit dem VAR einiges im Argen liegt. Nur mit dem Anstimmen von „ihr macht unsern Sport kaputt usw.“ und „Scheiß DFB“ erreicht man dafür ja keine Öffentlichkeit mehr, besonders nicht bei dem Johnny, der Fußball nur noch auf der Couch zuhause konsumiert und sich über schlechte Stimmung echauffiert, wenn die aktive Fanszene mal ruhig bleibt.
Allerdings geht mir bei der Diskussionzu sehr unter, dass „der DFB“ der falsche Adressat ist (außer bei den Konsequenzen und dem bekannten willkürlichen Strafenkatalog). Die Entscheidung, mit dem VAR zu arbeiten, liegt bei der DFL und somit der Mehrheit der Vereine. Dass sich da keiner gegen den VAR positioniert und gerade die „Großen“ die größten Befürworter sind, spricht doch Bände (Eliminierung des Zufalls im Spiel und Bias zugunsten der Goliaths). Aber wenn man daran etwas ändern möchte, muss man halt über den angeblichen Mitgliedereinfluss von 50+1 gehen. So wie in Schweden, wo sich die Vereine in der Liga in 2024 bewusst für die Abschaffung des VAR ausgesprochen haben.