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„Voller Überzeugung“ mit Alois Schwartz

„Voller Überzeugung“ mit Alois Schwartz
Alois Schwartz.

Es ging alles sehr schnell. Als Alois Schwartz am Mittwochvormittag erstmals in offizieller Funktion den Presseraum im LVM-Preußenstadion betrat, musste er sich zunächst orientieren. Wo sitzt er eigentlich? Und wie bekommt man diese Stühle vom Pult weg? Alles ist neu, alles muss jetzt ohne große Eingewöhnung klappen. Sieben Spiele noch, sieben Chancen. „Die Tabelle ist ein Arbeitszeugnis und es ist nicht gut“, meinte Schwartz ganz pragmatisch. Und versprach keine Zauberkunststücke, keine Tricks. Sondern Einfachheit. Schwartz muss in die Köpfe kommen – und das gilt wohl nicht nur für die Spieler, sondern auch das Umfeld, das sich teilweise schon die Drittliga-Tabelle anschaut.

Ob der gebürtige Schwabe in der vergangenen Woche schon ahnte, dass er wenige Tage später in Westfalen eine Rettungsmission übernehmen würde? „Es ging alles sehr schnell, innerhalb von 24 Stunden“, meinte er am Mittwoch lapidar. Was dann auch etwas über die Trainersuche in Münster aussagte. Dass nämlich kaum genug Zeit geblieben war für eine intensive und tiefe Recherche. Das muss nicht schlecht sein, aber vielleicht auch wegen der Eile bleibt es vorerst bei einem befristeten Engagement. Sieben Spiele lang. Was dann kommt? Das werde man sehen, so Schwartz. Er schloss eine Weiterbeschäftigung für sich selbst nicht aus, betonte aber: „Nur unser Ziel zählt jetzt, nichts anderes. Auch keine Eitelkeiten.“ Weder für ihn, noch für die Spieler. Alles muss sich jetzt dem kurzfristigen Ziel unterordnen.

Und natürlich war dann am Mittwoch genau das zu hören, was man in solchen Situationen immer hört. Dass man gute Gespräche geführt habe. Überzeugende Gespräche. Man habe Wertschätzung gespürt. Und man sei überzeugt, dass man die beste Lösung für die aktuelle Situation gefunden habe. Gegenseite Beschwörungen eben, das gehört dazu.

Alois Schwartz bei der Vorstellung in Münster.
Ole Kittner und Alois Schwartz..

Sport-Geschäftsführer Ole Kittner bekräftigte, was schon tags zuvor in der Vereinsmitteilung gestanden hatte. Schwartz bringe Führungsstärke und Erfahrung mit und genau diese Eigenschaften sind jetzt wohl auch gefragt. Für den Moment braucht die Mannschaft einen Ruhepol. Denn dass sie grundsätzlich Fußball spielen kann, liegt auf der Hand. Es ist eben eine Kopfsache geworden, eine Blockade im Oberstübchen. „Das Spiel gegen Magdeburg war dabei so ein Spiegel der Entwicklung“, meinte Schwartz, der sich dieses Spiel und die Partie in Dresden daheim schon einmal genauer angeschaut hatte. Kurzzeitige Glücksgefühle, dann heftige Nackenschläge und Frust. „Aber ich bin der Überzeugung, dass wir das schaffen können. Gemeinsam.“

Doch ein Feuerwehrmann

Dass er nun doch eine Art „Feuerwehrmann“ ist, nahm Schwartz mit Gelassenheit zur Kenntnis. Und fand sogar den positiven Dreh. Wenn einem so ein Stempel aufgedrückt werde, dann ja wohl, weil man Ähnliches schon einmal geschafft habe. Und das würde in diesem Fall ein Erfolg sein. Voraussetzung ist – Wiederholung! -, dass es dem Trainer gelingt, in die Köpfe zu kommen. „Leichtigkeit und Selbstvertrauen sind weg. Das Spiel ist im letzten Drittel und im vorderen Drittel fehleranfällig“, gab er einen kurzen Einblick. Auf große taktische Fragen ging Schwartz daher auch gar nicht ein – zumal er flexibel entscheiden wolle, in welchem System sich der SCP präsentieren werde. In jedem Fall so, dass es zur Mannschaft passt. Ein System, aus Prinzip? Nicht mit Schwartz.

Ein Kurzzeittrainingslager wäre durchaus ein Wunsch gewesen, ließ sich aber in der Kürze nicht realisieren. Es bleibt dabei beim Testspiel gegen Havelse am Donnerstag. Ein weiteres Spiel ist nicht mehr geplant.

Interview mit Ole Kittner:

Aus dem aktuellen Team kennt Schwartz lediglich Malik Batmaz persönlich. In der U19 spielte Batmaz damals beim Karlsruher SC, als Schwartz den KSC trainiert.

Kommentar
Alois Schwartz hatten nicht viele auf dem Schirm, falls überhaupt. Ole Kittner zauberte den Schwaben aus dem Hut, weil der nun genau das mitbringt, was eine verunsicherte Mannschaft benötigt. Ruhe und Erfahrung. Den Spielern muss Schwartz nicht erst beweisen, dass er beides mitbringt. Mehr als 200 Zweitligaspiele als Trainer und Klubs wie Karlsruhe, Nürnberg oder Rostock in der Vita sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Saarbrücker Fans aus seinem bis dato letzten Engagement nicht gut zu sprechen sind auf Schwartz, sollte in Münster niemanden irritieren. Also: Hinter Schwartz wird sich das Team versammeln können. Gut ist, dass sich der Neue auch nicht auf taktische Systeme festlegen wollte. Mit dem Kader, der nun zur Verfügung steht, wird er den Mix aus System und Fähigkeiten finden (müssen). Es spielt auch keine Rolle, ob Schwartz die 1A-Lösung war. Er ist jetzt die Lösung, hinter die sich die sportliche Leitung „voller Überzeugung“ stellt. Und ein bisschen von dieser Überzeugung sollte sich jetzt auch Fans und Freunde des SC Preußen Münster abschauen. Der Countdown hat begonnen, jetzt gilt’s.

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