Stimmung drumherum wird angespannter
Nach neun sieglosen Partien ist der SC Preußen Münster in den sportlichen Existenzkampf gestürzt, da muss man nicht drumherumreden. Erste unangenehme Erinnerungen an die Negativserie unter Sven Hübscher 2019/2020 werden wach – allerdings war Hübscher sogar sagenhafte 14 Spiele sieglos geblieben, ehe Münsters Sportchef Malte Metzelder mit der Freistellung reagierte. Davon ist der SCP anno 2026 weit entfernt. Dennoch wächst die Unruhe.
Einen Besuch der einschlägigen Preußen-Fanseiten in der Facebook-Hölle sollte man sich verkneifen. Wer dort die teils groben Kommentare liest, muss unweigerlich den Eindruck erhalten, die Mannschaft stehe kurz vor dem Verfall und unfähige Verantwortliche steuerten den Klub vorsätzlich vor die Wand. Es ist das bekannte Sammelsurium aus Frustabbau und Wut.
Demgegenüber steht das Stadion, die Besucher vor Ort. Von dort gab es in den vergangenen Wochen nie zusätzlichen Druck. Das fühlte sich am Sonntag gegen Kaiserslautern erstmals seit langer Zeit etwas anders an. Denn die Pfiffe – noch nicht dominant – waren nicht zu überhören, insbesondere zur Halbzeit. Eine gewisse Unruhe ist jetzt auch bei den Heimspielen zu spüren und das ist wohl auch erwartbar.
Am Ende des Spiels blieb die Heimkurve auch zunächst still. Wo sonst mit dem Abpfiff Fahnen wehen, herrschte am Sonntag erst einmal Ruhe. Die Mannschaft absolvierte ihre kurze Runde entlang der Tribünen, ehe sie sich vor der eigenen Kurve ein paar Botschaften abholte. „Die Fans waren positiv“, lobte später Torge Paetow. „Die wollen uns unterstützen, wir haben alle das gleiche Ziel.“ Einschwören auf den Abstiegskampf, einschwören auf Braunschweig. Einfache Tugenden auf den Platz bringen. Das waren die übergeordneten Botschaften – ehe es dann mit großer Lautstärke wie immer klang. „Alle zusammen für Preußen Münster!“
Also: Im Stadion Enttäuschung, aber Loyalität. In Social Media Fanwut zum Abgewöhnen. Und im Klub selbst Fokus auf die Arbeit. Es besteht auch kein Grund für Alarmismus über die aktuelle sportliche Situation hinaus. Weder wirkt die Mannschaft zerbrochen, noch wirkt das Verhältnis zwischen Team und Trainerteam angespannt. Dass der Fußball im „System Ende“ funktionieren kann, wird nicht bezweifelt. Die Probleme lassen sich auf individuelles Augenblicksversagen zurückführen, auf die dramatische Verletzungsserie mit dem ständigen Wegfall eingeplanter Säulen im Team. Und ja, hier und da auch auf ein Qualitätsproblem. Münster ist eben nicht Bayern, nicht einmal Schalke.
„Es sind Kleinigkeiten, die oft den Unterschied machen“, sagte später auch Doppel-Torschütze Jannis Heuer, der mit seiner persönlichen Leistung auch in der „Kicker Elf des Tages“ landete. Die beiden Gegentore kurz vor der Pause leitete der SCP auf die denkbar ungeschickteste Weise durch böse Fehlpässe selbst ein. Die zwei Treffer waren Gift für das Mindset. Heuer ehrlich: „Das macht etwas mit dem Kopf.“
Dass der Auftritt des SC Preußen in der ersten Halbzeit viele Rätsel aufgab, ist Teil des großen Problems. „Wir müssen von vornherein mutiger sein“, gab Heuer zu. Aber die Zeiten, in denen sich der SCP munter durchkombinierte, sind derzeit weit weg. „Uns muss niemand erzählen, dass es gerade nicht leicht ist“, meinte er. „Wir müssen uns jetzt mit den einfachen Dingen selbst rausziehen. Aber wir haben einen klaren Weg, wie wir spielen wollen und dabei sollten wir auch bleiben“, wiegelte Heuer etwaige Vorschläge über ein anderes Spielsystem ab. „Aber klar ist, wir müssen jetzt punkten.“

