Preußen Münster U23 überrollt RW Ahlen
Es gab Zeiten, in denen RW Ahlen zu den 36 Top-Vereinen Deutschlands zählte. Anfang der 2000-er Jahre fand sich der Klub unter dem Namen LR Ahlen in der 2. Bundesliga wieder, Trainer wie Jupp Tenhagen, Peter Neururer, Werner Lorant oder Stefan Kuntz standen an der Seitenlinie im Wersestadion. Rund zehn Jahre lang war Ahlen im Münsterland die Nummer eins. Und die Preußen? Die stiegen 2006 erst einmal in die Viertklassigkeit ab. Die Zeiten haben sich geändert.
Ahlen rutschte in den Jahren nach dem bis heute letzten Ahlener Zweitligajahr 2009/2010 von einer Insolvenz in die nächste, stieg zwischenzeitlich mal in die fünftklassige NRW-Liga ab (die es heute gar nicht mehr gibt) und spielt heute in der Oberliga Westfalen. Und genau dort trifft Ahlen in dieser Saison auf die U23 von Preußen Münster. Nicht der einzige ehemalige Wegbegleiter der Preußen übrigens. Auch die SG Wattenscheid, die SpVgg Erkenschwick oder der SV Lippstadt tummeln sich dort. Fast alles Klubs, die vor drei Jahren noch Gegner der Preußen in der Regionalliga West waren.
Allerdings: Preußens U23 spielt erneut eine großartige Saison, während RW Ahlen vor dem Abstieg in die Sechstklassigkeit steht. Pikant ist das auch deshalb, weil Ahlens damaliger Trainer Andreas Zimmermann Ende 2021 noch in einem Zeitungsinterview davon sprach, dass RW Ahlen mittelfristig gerne wieder die Nummer eins im Münsterland sein wolle… Diese Aussage fällt Ahlen seitdem immer wieder auf die Füße.


Nun: Am Dienstagabend traf RW Ahlen im Preußenstadion auf die Zweitvertretung der Preußen – und die machten am Ende kurzen Prozess mit den Gästen, die sich in Münster durchaus etwas ausgerechnet hatten. Ben Leiter (2) und Emanuel de Lemos erzielten die Tore zum 3:0-Heimsieg für den SCP, der weiterhin Platz 5 der Oberliga Westfalen belegt. Zur Tabellenspitze sind es aktuell fünf Punkte, allerdings ist der Abstand unerheblich, weil der SC Preußen für seine U23 gar keine Zulassung zur Regionalliga beantragt hat. Und Ahlen? Liegt mit 26 Punkten auf dem vorletzten Platz der Oberliga. Noch schlechter ist nur der TuS Ennepetal mit 25 Punkten.
So ein bisschen mehr Spannung als sonst lag in der Luft, denn die Partie gegen Ahlen fand mit Blick auf die jüngsten „Fehlleistungen“ des Ahlener Anhangs im Preußenstadion statt. Zuletzt gab es immer wieder Stress und Auseinandersetzungen, das Spiel gegen Wattenscheid wurde ende März sogar abgebrochen, nachdem mehrfach Böller geworfen wurden und ein Böller aus dem Ahlener Fanblock in unmittelbarer Nähe des Schiedsrichter-Assistenten explodierte. Weil aber die Szene von RWA wegen der anschließend erfolgten Strafen durch den eigenen Verein (u.a. eine Blocksperre und Stadionverbote) schmollt, blieb der Gästeblock im Westen ziemlich leer. Etwas mehr als zwei Dutzend Anhänger von RWA verloren sich dort, der erwartete Sicherheitsaufwand blieb letztlich überflüssig.
Immerhin: Der Verband hatte mit Blick auf die regionale und sportliche Brisanz einen erfahrenen Schiedsrichter abgestellt. Timo Gansloweit leitete die Partie im Stadion – der 29-Jährige kommt in dieser Saison bereits auf elf Zweitliga-Einsätze. Die Preußen pfiff er zuletzt beim 0:1 in Fürth. Am Dienstag kam er dabei völlig ohne Karten aus.


Deutlich voller war es dagegen in den Heimblöcken A und B, wo sich einige hundert Preußenfans die Zeit in der Abendsonne vertrieben. Ein bisschen Ablenkung vom Zweitliga-Abstiegskampf ist ja auch mal gut…

