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Bochum kommt in Frieden, aber soll leiden

Bochum kommt in Frieden, aber soll leiden
Jubel im Hinspiel.

Die Ergebnisse des 20. Spieltags fielen zuletzt, um das vorsichtig zu sagen, aus Sicht des SC Preußen Münster nicht ideal aus. Fürth gewann, Dresden und Bielefeld punkteten beide, Düsseldorf drehte das Spiel gegen Paderborn. Münster fiel auf Rang 15 und steht nur einen Punkt besser als im Vorjahr. Und so ganz langsam rückt die Tabelle etwas auseinander – Platz 10 ist bereits fünf Punkte entfernt. Aber das Schöne am Fußball ist: Die Lage ändert sich schnell. Aber am Freitag gegen den VfL Bochum steht Münster schon vor einer ordentlichen Aufgabe.

Der VfL Bochum hat sich zwischenzeitlich berappelt. Zum Spiel in Münster reisen die Bochumer als Freunde an – rings um die Partie werden eine Menge der sonst üblichen Einschränkungen aufgehoben. Aber sportlich darf der SCP kein guter Gastgeber sein. Der VfL soll leiden in Münster, anders geht es nicht.

Der Blick auf die Tabelle macht das ziemlich deutlich: Angesichts der Ergebnisse vom vergangenen Wochenende bekam der eine Punkt in Nürnberg immerhin eine besondere Bedeutung. Ganz nebenbei: Im Vorjahr gingen beide Partien gegen Nürnberg verloren, in diesem Jahr holte der SCP aus beiden Spielen immerhin vier Punkte. Doch am Ende ist die Tabelle aussagekräftig: Die Preußen stecken vor dem 21. Spieltag ganz dick drin im Abstiegskampf. Am 16. Spieltag – das war Mitte Dezember – verfügte der SCP noch über fünf Punkte Vorsprung. Auf den Relegationsplatz, wohlgemerkt. Jetzt steckt der SCP mit einem halben Bein auf einem Abstiegsplatz.

Im Vorjahr hatte der SC Preußen am 20. Spieltag zwar nur 20 Punkte – allerdings trotz Tabellenplatz 15 auch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und sogar fünf Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz. Die Lage ist aktuell deutlich dramatischer als im Aufstiegsjahr.

Also alles Drama? Ja und nein. Die Mannschaft als Ganzes bringt derzeit nicht die Form des Herbstes auf den Platz, aber solche Schwankungen gibt es im Verlauf einer Saison immer mal. Dass das Team grundsätzlich einen feinen Fußball spielt und dass dieser Fußball auch Punkte bringt, wurde bereits belegt. Es ist also kein systemisches Problem. Eher eine Ergebniskrise, die verschiedene Ursachen hat.

Verletztenmisere und individuelle Fehler

Die Verletztenmisere, natürlich. Dass ein Team gleich derart viele Bänder- und Sehnenrisse hinnehmen muss, ist mindestens ungewöhnlich. Dass einige Spieler schon grundsätzlich und bereits vor ihrer Preußen-Zeit zu Verletzungen neigen, gehört auch dazu. So viele Ausfälle, wie die Preußen zeitweise und auch aktuell noch immer hinnehmen müssen, kann man einfach nicht kompensieren. Auch deshalb hat der SCP ja im Winter noch reagiert und drei Spieler nachverpflichtet.

Zur Ergebniskrise gehören aber auch individuelle Fehler, die sich zuletzt häuften. Fehler, die dann zu Platzverweisen führen (Schenk, Jaeckel, Koulis, Bouchama) und in der Folge auch direkt zu Punktverlusten. Nach Jaeckels Platzverweis (ermöglicht durch einen Schnitzer des Keepers) kippte das Spiel komplett auf Karlsruher Seite. Nach Bouchamas Roter Karte wurde der Paderborner Druck zu groß – vier mögliche Punkte gingen allein hier verloren.

Offensivfragen

Die Abschluss-Schwäche hat auch etwas mit dem ständigen Ausfall von Offensivkräften zu tun. Joshua Mees erlebt bisher ein völlig gebrauchtes Jahr und wird auch gegen Bochum weiter fehlen, Etienne Amenyido machte nur zwölf Spiele, Lars Lokotsch fällt noch länger aus, gleiches gilt für Oscar Vilhelmsson. Luca Bolay kann auch nicht eingesetzt werden. Da kommt einfach keine Linie rein. Vielleicht verändern sich in den kommenden Wochen die Bedingungen, wenn die Neuzugänge Tobias Raschl, Shin Yamada und Imad Rondic sich eingefunden haben. Alle drei werden auch am Freitag zum Kader gehören, vielleicht rückt auch mal einer in die Startelf. Verlieren geht immer, aber viel zu verlieren hat der SCP halt auch nicht.

Wenn es vorne nicht klingelt, hat das allerdings auch nicht immer mit den Stürmern zu tun, sondern auch damit, welche Bälle beispielsweise aus dem Mittelfeld gespielt werden. Auch hier hat der SCP noch keine dauerhafte Stabilität. Marvin Schulz fiel lange aus, Marcel Benger startete mit einer langwierigen Verletzung in die Saison und hat bisher auch noch nicht die Form gefunden, die er in Verl hatte. Luca Bolay bekam anfangs der Saison lange Einsatzzeiten, ließ sein Potenzial aufblitzen, streute aber auch immer wieder Fehler ein. Zuletzt fehlte auch er. Es war zuletzt ein Kommen und Gehen und damit herrschte eben auch immer eine gewisse Unruhe.

Tabelle 20. Spieltag
KlubSp.SUNToreVerh.P
1.)FC Schalke 04 20123524:141039
2.)SV Elversberg 20115437:201738
3.)SV Darmstadt 20108236:221438
4.)SC Paderborn 07 20113631:23836
5.)Hannover 96 20105535:27835
6.)1. FC Kaiserslautern 2094735:27831
7.)Hertha BSC 2087525:20531
8.)VfL Bochum 2075829:26326
9.)1. FC Nürnberg 2075823:28-526
10.)Karlsruher SC 2075829:36-726
11.)Holstein Kiel 2066825:26-124
12.)Eintracht Braunschweig 20731021:32-1124
13.)Fortuna Düsseldorf 20721119:30-1123
14.)Arminia Bielefeld 2056930:28221
15.)SC Preußen Münster2056924:31-721
16.)Dynamo Dresden 20551029:36-720
17.)1. FC Magdeburg 20621226:33-720
18.)SpVgg Greuther Fürth20541128:47-1919

Die Klubs auf den Plätzen 1 und 2 steigen direkt in die Bundesliga auf. Der Drittplatzierte der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga. Der Tabellen-16. der 2. Bundesliga spielt in der Relegation gegen den Dritten der 3. Liga, die beiden Klubs auf den Plätzen 17 und 18 steigen direkt in die 3. Liga ab.

Wenn der VfL Bochum am Freitagabend im Stadion vorstellig wird, trifft das aktuell formschwächste Team der Liga – nämlich der SCP – auf den Klub, der zuletzt den Spitzenreiter Schalke mit einem 2:0 nach Hause schickte. Seit sechs Partien ist der VfL ungeschlagen, die Preußen sind seit sechs Spielen ohne Sieg. Derzeit fehlt schon ein bisschen die Fantasie, wie diese Mannschaft aktuell Siege einfahren kann. Die Mittel sind definiert, wie am Donnerstag zu lesen war: Bochums schnelle Bälle hinter die eigenen Abwehrketten müssen verhindert werden. Mit Ballbesitz haben es die Bochumer nicht so, das Team lauert auf überfallartige Konter.

Gut möglich also, dass der SCP am Freitagabend zu viel mehr Ballbesitz kommt, aber das allein hat gar keinen Wert, wenn daraus keine Chancen entstehen und vor allem keine Tore. Die fielen zuletzt doch ziemlich selten für den SCP. Irgendwie lässt sich das alles nicht so richtig greifen, was bei den Preußen derzeit los ist. Spielerisch müsste das Team irgendwo deutlich weiter vorne in der Tabelle stehen. Aber wie gesagt: Der Knoten muss jetzt mal platzen.

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