Rückkehr der Vier
Preußen Münster gegen Fortuna Düsseldorf. Das Spiel am Mittwoch ist nicht nur eines aus der gehobenen Kategorie der 3. Liga. Es hat auch einen Beigeschmack, der seine ganz eigene Note hat. Gleich ein Quartett aus Ex-Preußen kehrt am Mittwoch an die Hammer Straße zurück. Aber nicht alle werden sonderlich willkommen sein.
Als der damalige Preußen-Trainer Alexander Ende Mitte März in Münster freigestellt wurde, ahnte niemand, dass der frühere Verler schon sehr schnell einen neuen Job erhalten würde. Nur vier Wochen nach seinem Abschied in Münster war er wieder da, diesmal als Nachfolger von Markus Anfang bei Fortuna Düsseldorf. Ende verhinderte letztlich den Abstieg der Fortuna nicht, was fairerweise kaum auf seine Kappe ging, denn Fortuna hatte schon zuvor eine schauderhafte Saison gespielt. Die Auftritte in den letzten Partien, darunter schmerzhafte Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz aus Magdeburg oder Fürth gehörten aber zur Ägide von Ende.
Wie Alexander Ende in Münster begrüßt wird? Schwer zu sagen. Eine Zeitlang war Endes Fußball ein Versprechen, spielerisch waren die Adlerträger selten so stark wie in den ersten Monaten der Zweitliga-Saison. Als dann der Ende-Fußball überall in der 2. Liga bekannt war, funktioniert er nicht mehr und Ende hatte auch keine andere Idee mehr. Und im Fußball ist wenig schlimmer als enttäuschte Hoffnungen. Endes Rückkehr? Eher bitter.
Das ist der Rahmen: Gemeinsam mit den Preußen fand sich Fortuna letztlich in der 3. Liga wieder, was in Düsseldorf wohl weit mehr als Kulturschock empfunden wurde als in Münster. Wie schnell dieser Abstieg repariert werden sollte, war an der Kaderplanung der Fortuna abzulesen. Geld war offenbar kein Problem.
Bouchamas Abschied
Auch aus Münster folgten mehrere Profis dem Ruf der Fortuna. Yassine Bouchama, der aus seinem geplanten Abschied kein Geheimnis gemacht hatte, schloss sich Fortuna an. Immerhin nicht Essen. Bouchama verabschiedete sich aber auch einigermaßen glaubhaft aus Münster – ein Dankeschön für die gemeinsame Zeit eingeschlossen. Am vergangenen Freitag war er zu Besuch in Münster und tauchte nach dem Abpfiff auch unten am Kabinentrakt auf. Alte Bekannte besuchen – und vielleicht schon einmal ein bisschen auf den nächsten Gegner schauen.
Bouchama ist auch einer, den mit Münster eine echte Geschichte verbindet. Aus Homberg war er 2022 nach Münster gewechselt. Sein Weg führte von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga – gemeinsam mit den Preußen. Das verbindet, macht ihn zum Zeil einer bemerkenswerten Zeit in der Klubgeschichte. Am Ende standen 112 Spiele im Preußen-Trikot und zwei Aufstiege. Bouchama ist jetzt bei Fortuna, aber hat seine Zelte in Münster sicher nicht völlig abgebrochen.
Was sich von anderen Spielern nicht unbedingt sagen lässt.
Benger ohne Impact
Dass Marcel Benger seinem Ex-Trainer aus Verler und Münsteraner Zeiten nach Düsseldorf folgte, war eher eine mittelschwere Überraschung. Fraglos gehörte Benger zu den großen sportlichen Enttäuschungen in einer schwierigen Zweitliga-Saison. Angepriesen als Mittelfeld-Motor, Denker und Herz des „Ende-Fußballs“ lieferte Benger… wenig. Sein Saisonstart war von Verletzungen geprägt, als er dann nach dem 13. Spieltag mal nachhaltig Spielzeiten bekam, war das okay, aber nicht wirklich eine Hilfe. Struktur bekam er mit dem Beginn des Absturzes auch nicht mehr ins Spiel. Bengers Zeit endete, als Alexander Ende freigestellt wurde. Unter Alois Schwartz spielte der heute 28-Jährige gar keine Rolle mehr. Und mit einer Verletzung verabschiedete er sich vom SCP, wie er in Münster angekommen war.
Es gehört zur Geschichte, dass Benger auch in Düsseldorf bisher keine echte Rolle spielt. Gerade einmal vier Einsätze kamen zustande (dreimal in der Startelf). Von den jüngsten vier Spielen verpasste er drei und beim 2:2 gegen den SC Verl durfte er nur für fünf Minuten ran. Ein Leistungsträger ist er auch in Düsseldorf (derzeit) nicht.
Abgang durch die Hintertür
Mutmaßlich eher distanziert wird Jorrit Hendrix in Münster empfangen werden. Hendrix spielte in Münster eine besondere Rolle. Und als Kapitän sollte er auch diese besondere Rolle spielen. Zur Wahrheit gehört, dass er mit der Mannschaft unterging. Als Führung und Vorbildfunktion gefragt waren, tauchte Hendrix unter. Im Abstiegskampf setzte er keine Zeichen. Dass er den SCP nach dem Abstieg wortlos verließ, war kein besonders guter Stil.
Für Hendrix galten andere Rahmenbedingungen – aber dass er statt wenigstens einen kleinen Gruß nach Münster zu schicken, sich erst einmal bei der Fortuna andiente als einer, den „die ganze Zeit das Gefühl begleitet (hat), mit der Fortuna noch nicht das erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen habe“, das war ein starkes Stück.
Mag man den sportlichen Wechsel verstehen, so sind die Begleitumstände von Hendrix‘ Wechsel unerfreulich und vermutlich wird man das am Mittwoch auch hören.


Eher: Rückkehr der fünf – denn Zlatko Muhović sollte hier auch erwähnt werden.
Mit Jorrit habe ich vor zwei Jahren beim Oktoberfest in Münster gesprochen. Er wohnte hier im Hotel und hatte keine Wohnung. Seine Familie wohnt in Eindhoven. In Düsseldorf ist die Distanz kürzer, so dass er pendeln kann. Nur wie er gegangen ist, das hätte besser kommuniziert werden können.