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Havelse-Fans verärgert: Gästeblock bleibt geschlossen

Havelse-Fans verärgert: Gästeblock bleibt geschlossen
Der Gästeblock kurz vor seiner offiziellen Eröffnung im Sommer 2025.

Das wird ein eher ungewöhnliches Bild geben am Samstag. Wenn der SC Preußen Münster sein Heimspiel gegen den TSV Havelse bestreitet, werden im Gästebereich keine Gäste zu sehen sein. Der Grund: Die Sitzplätze wurden bereits den Preußenfans zugeschlagen, der Gäste-Steher bleibt gleich ganz dicht – und die Fans des TSV Havelse nehmen Platz auf der Südtribüne. Über die Vorgeschichte dazu gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten…

Am Freitag wurde das Thema auf der Facebook-Seite „Der Havelse Hopper“ öffentlich. „Ein weiteres Gästeblock Chaos nimmt seinen Lauf. Und die Nummer ist mit Abstand die Beschissenste bisher, eingeschlossen letzte Saison“, heißt es da. Aber was war da los?

Angeblich habe der TSV Havelse „frühzeitig“ den Vorschlag der Preußen abgelehnt, die Gästefans auf der Süd unterzubringen. „Weniger als 40 Stunden vor Anpfiff“ habe man dann die Info erhalten, dass man den Gäste-Stehplatzblock nicht nutzen könne und umziehen müsse auf die Süd. Tickets seien aber im Onlineshop nur für „45 Euro“ zu haben gewesen – und das auch nur wenige Plätze.

Auf Anfrage stellt der SC Preußen Münster allerdings klar: Von Beginn an – und schon vor Wochen – sei zwischen dem SCP und dem TSV besprochen worden, dass die Gästefans auf der Südtribüne unterkommen. Und weil der TSV selbst gar keinen Vorverkauf angeboten hat, war auch von Beginn an klar, dass es nur eine Tageskasse geben werde. So stand es dann am Donnerstag auch in den Faninfos zum Spiel. Diese Vereinbarung scheint intern beim TSV Havelse aber nicht richtig kommuniziert worden sein.

Der Versuch einer Buchung von Tickets über den Preußen-Onlineshop war zudem sinnlos, denn dort werden ja nur Heimkarten angezeigt und weil das Stadion im Heimbereich fast ausverkauft ist, war da wenig zu holen. Bis zu 12.500 Fans werden am Samstag in Münster erwartet, aber Havelse wird daran keinen besonderen Anteil haben.

Sitzplatztickets zum Stehplatzpreis

Von wegen „umquadriert“: Tatsächlich war längst ein Sitzplatz-Kontingent für den TSV Havelse reserviert worden – und das auch zum Preis der normalen Stehplatzkarten. Die Aufregung also: umsonst. Oder, wie es im Facebook-Beitrag eher beiläufig heißt: „Die [Verantwortlichen des TSV Havelse, Anm.d.Red.] haben sich das scheinbar selbst nicht durchgelesen…“

Dass der Gäste-Stehplatzbereich damit auch gleich ganz geschlossen bleibt, begründet der SCP mit „organisatorischen Gründen“. Vor allem liegt das an Havelse selbst, denn aus dem Raum Hannover waren dem SCP bisher nur rund 50 anreisende Gästefans angekündigt worden. Dafür ist die Öffnung des Blocks mit allen dazugehörigen Maßnahmen wie Kiosken, Ordnungsdiensten und den allgemeinen Betriebskosten etwas übertrieben. Das geben selbst die Verfasser des Facebook-Postings zu: „Hier geht es nicht mehr um Kostenersparnis, was ja legitim ist, …“

Der Gästeblock geschlossen: So hat der SC Preußen übrigens in den vergangenen Jahren oft verfahren, wenn sich nur eine Handvoll Gästefans angekündigt hatte. Oft wurde der Gästebereich den Heimfans zugeschlagen, die wenigen Gästefans dann im Block F der Südtribüne untergebracht. Stress gab es deswegen bisher nie wirklich. Dass es hier anders läuft, dürfte also eher einer fehlenden oder unvollständigen Absprache beim TSV Havelse zuzuschreiben sein.

„Fankultur zerstört“?

Die von Havelser Fan-Seite geäußerte Kritik, hier werde „Fankultur zerstört“ und die Maßnahme sei „Tortur“, wirkt im Kontext eher etwas weit hergeholt. „Wir werden anreisen mit all dem Material, das wir angemeldet haben und freuen uns schon auf den erneuten Streit mit den Ordnern. Ohne Gegenwehr lassen wir uns unsere Fanrechte nicht nehmen“, heißt es bei der Seite „Havelse-Hopper“. Dabei darf man davon ausgehen, dass für Banner und Zaunfahnen sehr wohl ein Platz gefunden wird. Warum auch nicht?

Anders gesagt. Hier wird offenbar eine große Empörungswelle aus ziemlich wenig erzeugt. Nebenbei: Die Plätze auf der Süd dürften kaum schlechter ausfallen als der Stehplatzbereich direkt daneben.

Kommentar: Unabhängig vom aktuellen Fall: Es sollte die Ausnahme bleiben, dass in der 3. Liga ein voll funktionsfähiger Stehplatz-Block für Gästefans geschlossen bleibt, weil der Aufwand zu hoch scheint. Das ist ein ähnlicher Fall wie mit den zuletzt abgeschalteten Videowalls im Westfalenpokal-Spiel gegen Buer. Zu einem professionellen Auftritt eines Vereins gehört es, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Gästeblock mit knapp 2.000 Plätzen mag viel zu groß sein für die wenigen Fans aus Havelse. Es ist daher zwar vernünftig, die Sitzplätze den Heimfans anzubieten. Den Stehplatzblock zu schließen, weil der Aufwand zu hoch erscheint, ist aber einfach falsch. Damit geht ein Stück Fußballkultur verloren. Dass es in dieser 3. Liga gelegentlich passiert, dass der Gästeblock ziemlich leer bleibt, ist keine Überraschung. Das muss der SC Preußen Münster einkalkulieren. Das gilt nicht für Spiele gegen Stuttgart II oder Hoffenheim II. Aber für jeden anderen Klub – Regensburg, Verl, Großaspach, Würzburg, Wiesbaden oder zuletzt Ingolstadt – ist im Gästeblock Mut zur Lücke angesagt.

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