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Absturz mit Ansage

Absturz mit Ansage
Münster jetzt Tabellenletzter.

Kommentar: Hinterher sind alle immer klüger. Die Hoffnungen beim SC Preußen Münster und bei seinen Fans waren vor dem Saisonstart groß. Doch seit Sonntag steht die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga und wer sich die Tabelle ein bisschen anschaut, ahnt, wie schwierig der Klassenerhalt sein wird. Der Absturz hat sich – im Rückblick – tatsächlich schon lange abgezeichnet. Trotzdem: Ein paar Mutmacher gibt es noch.

Natürlich sind die Daten verheerend. Seit dem 0:0 in Düsseldorf schluckte der SCP in fünf Partien 15 (!) Gegentore. Allein die jüngsten Spiele in Dresden und gegen Magdeburg haben das Torverhältnis der Adlerträger zum zweitschlechtesten der Liga gemacht. Das wirkt jetzt im Abstiegskampf wie ein zusätzlicher Punkt Rückstand. Offensiv weht beim SCP ein ganz dünnes Lüftchen – nur Düsseldorf und Braunschweig haben noch weniger Tore erzielt. Die Winterneuzugänge waren eine Reaktion auf die angespannte Personallage im Winter, aber es deutet sich immer mehr an, dass sie dem SCP nicht weiterhelfen. Jetzt ist auch der Kniff mit Kieran Schulze-Marmeling verpufft. Das alles ist nicht gut.

Die Idee, Alexander Endes Power-Fußball aus der 3. Liga für die 2. Bundesliga zu übersetzen, ist gescheitert. Wehen-Wiesbaden ist nicht Hertha, Stuttgart II ist nicht Schalke. Nur zum Saisonstart überraschte der SC Preußen die Gegner noch regelmäßig mit seinem rasanten Ballbesitz-Fußball. Der Pokal-Auftritt gegen Hertha dürfte zum besten gezählt haben, was man in den vergangenen anderthalb Jahren von den Preußen gesehen hat. Nürnberg und Bochum wurden geschlagen. Das ständige Lob der Gegner bekräftigte die Selbsteinschätzung, dass man schon auf einem richtigen Weg sei. Das 1:2 gegen Fortuna Düsseldorf wirkte nur wie ein unglücklicher Ausrutscher – aber spätestens der 1. FC Kaiserslautern hatte Münster dechiffriert und dann ziemlich heftig vermöbelt.

Gegen Endes Kurzpassspiel half ein engmaschiges Pressing des Gegners, die ständige Begleitung entnervte den SCP, immer seltener ließen die Gegner den Preußen den Raum, den sie selbst eigentlich bespielen wollten. Und gegen kompakte Ketten tut sich der SCP extrem schwer. Schon in der Hinrunde ließen die Preußen auch in den wichtigen direkten Duellen wie gegen Dresden oder Magdeburg oder in Fürth Punkte, der Duselsieg im Derby im November war für viele Wochen das letzte Lebenszeichen.

Spätestens mit Beginn der Rückrunde wurde aber überdeutlich, dass nun alle Gegner verstanden hatte, welche einfachen Mittel reichten, um den SCP in Schach zu halten. Dass die Preußen selbst durch individuelle Fehler zum Negativtrend beitrugen – Platzverweise, Elfmeter -, spielte auch eine große Rolle. Man kann nun sicher darüber diskutieren, welchen Einfluss die Verletztenmisere zusätzlich hatte, aber die schlimmsten Auftritte wurden zuletzt fast in Bestbesetzung abgeliefert. Jetzt stehen 13 Ligaspiele mit nur einem Sieg in der Statistik. Das ist abstiegsreif.

Und nun?

Priorität muss die Installation eines Trainers sein, der jetzt schnell das Ruder übernimmt. Idealerweise jetzt zum Start in die Länderspielpause. Das Profil hat die sportliche Leitung um Ole Kittner, Jan Uphues und David Niehues sicher im Kopf. Dabei wird es auch um eine strukturelle Frage gehen, ob man nämlich mit dem neuen Trainer auch in die 3. Liga absteigen würde, um sich dort neu aufzustellen, oder ob man jetzt nur einen Trainer für die letzten sieben Spiele sucht, während gleichzeitig im Hintergrund ein neuer Coach für die nächste Saison ermittelt wird. Leicht ist keiner der beiden Ansätze – dem ersten würde schlimmstenfalls ein Makel des Abstiegs anheften, den zweiten Job würde eigentlich kaum jemand übernehmen wollen außer den üblichen Verdächtigen wie Friedhelm Funkel und so einen könnte man sich in Münster eher nicht vorstellen.

Drei Mutmacher gibt es in dieser komplexen Situation. Zuerst bleibt die Tabelle dank zahlreicher Niederlagen der Konkurrenz weiterhin eng. Lediglich Magdeburg und Kiel haben Lebenszeichen gesendet. Zwei Punkte Rückstand auf Platz 16 und 15 sind keine unüberwindbare Hürde. Zweitens: Die Konkurrenz muss auch noch gegen Spitzenklubs der Liga antreten und der SCP hat drei Duelle bei direkten Tabellennachbarn in Kiel, gegen Fürth und gegen Bielefeld noch vor der Brust – auch wenn das nach den jüngsten Erfahrungen kein Plus sein muss. Dennoch, die Preußen können ihr Schicksal selbst gestalten, so oder so.

Und drittens: Die Mannschaft wirkt nicht zerfallen. Da steht kein zerrüttetes Team auf dem Platz, vielleicht eher ein zu braves Team, das ein bisschen Stress mal vertragen könnte. Aber die Aufgabe eines neuen Trainers wird nicht dadurch erschwert, dass er erst einmal eine völlig aufgelöste Truppe vereinen muss.

Also: Sieben Spiele, sieben Chancen. Der Abstiegskampf fühlt sich so an wie jetzt.

2 thoughts on “Absturz mit Ansage

  1. Carsten sehr guter Kommentar von dir zur absolut bescheiden Lage von unserem SCP.
    Aber solange der Relegationsplatz erreichbar ist, lebt die Hoffnung. Auch wenn ich die Chancen als sehr gering einschätze für unseren SCP.
    Es geht jetzt nicht mehr darum, schön zu spielen, sondern effektiv, kompakt, garstig und eiskalt. Wenn der neue Trainer hinten stabil stehen lässt, vorn auch die wenigen Chancen nutzt und die Mannschaft endlich als Einheit auftritt.
    Dann ist die Relegation absolut drin und dort ist ohnehin gegen Essen, Verl, Duisburg, Cottbus, oder Rostock alles möglich.

  2. Meiner Ansicht nach fing der Absturz nicht mit dem „Duselsieg“ im Derby an, sondern eher in der 2. Halbzeit des ersten Rückrundenspiels gg. Karlsruhe.
    Wer hätte schließlich gedacht, dass wir aus den letzten Rückrundenspielen noch wirklich Punkte holen und das auch noch verdient. Natürlich kann man die Auftritte mit den späten Ausgleichstreffern gegen Hannover und Elversberg auch als Dusel bezeichnen. Es war jedoch ein total verdient erzwungener Dusel. Aber die Gegentore waren auch nicht unbedingt verdient.
    Und hätten wir gegen den KSC nicht solch einen Chancenwucher betrieben, wäre das Spiel nach der 1. Hälfte für uns durch gewesen. So aber kam es anders und die Auftritte wurden immer kläglicher.
    Aber die ganze Saison zieht sich eigentlich so durch. Viel zu viele individuelle Fehler/Fehlentscheidungen der Spieler, die zu Gegentoren, roten Karten und auch zur schlechten Torausbeute geführt haben, die unsägliche Verletztenmisere um die Hinrundenspiele gegen die direkte Konkurrenz und -obwohl ich bis zuletzt eigentlich gegen einen Trainerrauswurf war- das sture Festhalten am System Ende, wo doch vielleicht kleinere Korrekturen ausreichend gewesen wären, haben uns letztlich dahingebracht, wo wir nun stehen.
    Es war von Anfang an klar, dass man nicht nach oben angreifen kann, aber der, vor allem spielerisch, gute Saisonstart hat Erwartungen geweckt, die nicht einzuhalten waren, wobei die Kaderzusammenstellung eigentlich nicht schlecht war. Bis auf die Winterverpflichtungen aus dem Druck der Niederlagen gegen den KSC und Paderborn heraus. Die waren dann doch eher Panikkäufe, auch wenn man es anders verkaufen möchte.
    Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass irgendein Knoten platzt und man es irgendwie knapp schafft. Wenn es nicht reicht… dann hatten wir wenigstens eine schöne Zeit.
    Alle zusammen für Preußen Münster!

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