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Jetzt mitten drin im Abstiegskampf

Jetzt mitten drin im Abstiegskampf
19. Spieltag 2025/2026. Preußen Münster - Karlsruher SC. Paul Jaeckel.

Vor zwei Monaten hatte Geschäftsführer Ole Kittner während der Mitgliederversammlung die Lage des SC Preußen Münster als einigermaßen gut, aber nicht ganz sicher bezeichnet. Da lag eine 0:1-Niederlage in Fürth gerade hinter den Adlern, aber sieben Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz und vier auf den Relegationsplatz. Aber Kittner mahnte: Es könne durchaus sein, dass der SC Preußen noch einmal richtig in Abstiegsgefahr geraten könne. Das schien fair. Jetzt ist es aber endgültig soweit, Abstiegskampf in aller Härte – und das sollten sich alle Beteiligten auch ganz klar machen.

Nachdem der gesamte Tabellenkeller am 19. Spieltag bereits gespielt hat, ist die Lage deutlich. Der SCP liegt nur noch einen Punkt vor dem Relegationsplatz. Auf einen direkten Abstiegsplatz sind es vier Punkte Vorsprung. Das ist kein Polster mehr. Und Mannschaft und Fans sollten sich keinerlei Illusionen hingeben: Das wird jetzt eng. Am kommenden Spieltag geht es nämlich nach Paderborn. Dort könnte der SCP einen ordentlichen Auftritt hinlegen und dennoch verlieren. Einfach, weil Paderborn nicht Münsters Kragenweite ist. Dann geht es nach Nürnberg zum Club, der sich auch dank eines 3:2-Sieges gegen Elversberg Richtung oberes Mittelfeld verabschiedet hat. Dann Bochum, Düsseldorf, Kaiserslautern und Braunschweig. Wenn das so weitergeht, wie es derzeit läuft, geht der SC Preußen mit viel Ballast in die heiße Phase der Saison. Lob vom Gegner, attraktives Spiel – das darf nicht ablenken von der Realität. Die Preußen setzen das nicht in Ergebnisse um. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Denn der SC Preußen arbeitet an zu vielen Baustellen gleichzeitig, auch wenn der SCP für manche dieser Baustellen nicht einmal direkt verantwortlich ist. Das Verletzungspech, über das Leistungsträger – echte und potenzielle – immer wieder ausfallen, ist bemerkenswert. Tikvic, Batmaz, Scherder, auch Benger, Amenyido, Schulz, jetzt Lokotsch, immer wieder Mees und Vilhelmsson. Jede Woche die bange Frage vor den Spielen: Wer ist neu im Lazarett? Ein Muster scheint nicht erkennbar. Verletzungen entstehen im Spiel, im Training, nach Fouls oder einfach durch einen Fehltritt.

Risiko bei Verpflichtungen

Eher schon hat sich das strukturelle Risiko als real erwiesen, Spieler zu verpflichten, von denen man ahnen kann, dass sie über die Saison nur die Hälfte der Spiele absolvieren können. Das Phänomen ist nicht neu beim SCP, das gab es schon unter Peter Niemeyer (Stichwort Sebastian Mrowca). Die Idee: Spieler zu finden, die in einigen Partien einen sportlichen Unterschied machen können und die man gar nicht bekommen würde, wenn sie nachhaltig fit und einsatzbereit wären. Das ist eine Mischung aus Kalkül und Hoffnung, dass es vielleicht doch gut gehen würde. So ein Fall war zuletzt Oscar Vilhelmsson. Der Schwede hatte in Darmstadt drei Jahre bekommen, weil man beim SVD die gleiche Idee hatte. Er bringt so viel Potenzial mit, aber er spielt eben nicht. Aber vielleicht klappt’s ja noch. Die Realität: Seit 2022 hat Vilhelmsson 43 Spiele verpasst, fast ein Drittel aller Partien. Das Problem: Der Angreifer hat zwischen Verletzungen kaum einmal Zeit, sich nachhaltig in Form zu bringen und in seinen Rhythmus zu finden, weil er sofort wieder mit der nächsten Blessur ausfällt.

Ähnlich gilt das (zumindest) in dieser Saison für Joshua Mees, der schon in der Sommerpause mit einer Verletzung aus dem Saisonende zu kämpfen hatte und die Vorbereitung nur Einschränkungen absolvierte. Dann stoppte ihn schon am fünften Spieltag ein Sehnenriss, nach dem er sich erst langsam wieder ins Team spielte – ehe er sich in der Winterpause mit einer Entzündung im Bein herumplagte, die nicht nur das Trainingslager für ihn behinderte, sondern auch einen Einsatz gegen Karlsruhe verhinderte. Insgesamt neun Partien verpasste Mees so allein in der laufenden Saison. Das kann der SC Preußen Münster nicht auffangen, so einfach ist das.

Auf dem Platz kämpft der SCP mit zwei Problemfeldern: Vorne fehlt es an der Fähigkeit, aus vielen Chancen Tore zu generieren. Mit 22 Treffern weist der SCP zwar keinesfalls eine schreckliche Bilanz auf, aber nur vier Mannschaften trafen noch seltener. Und mehr noch: Seit dem 10. Spieltag blieb der SCP in fünf von neun Partien ohne eigenes Tor – dass dazu die direkten Kellerduelle in Magdeburg und Fürth gehörten, schmerzt doppelt. Dass die Preußen offensiv unter extremen Ausfällen leiden, macht die Sache nicht einfacher. Und dass der SCP mit Standards viel zu wenig Gefahr entfacht, ist auch eine Facette.

Und das zweite Problem: Trotz routinierter Kräfte wie Paul Jaeckel, Mikkel Kirkeskov oder Janis Heuer in der Abwehrreihe bekommt die Mannschaft als Ganzes die Gegentreffer nicht in den Griff. Nur ein einziges (!) Ligaspiel endete ohne Gegentreffer, das wird auf Dauer nicht reichen. Zweimal gelang es zuletzt, nach Gegentoren noch spät zurückzukommen. Aber so ein Kraftakt ist eher die Ausnahme und kann daher nicht nach Belieben wiederholt werden. Moral ist kein sicheres Tor.

Schenk mit Licht und Schatten

Im Tor verfügt der SCP zwar über ein großes Talent, aber Johannes Schenk spielt bisher eine Saison mit Licht und Schatten. Eine Rote Karte, dazu immer wieder mal Fehler im Aufbauspiel, die dann zu brenzligen Situationen führen – oder zu Gegentoren wie am Samstag gegen Karlsruhe. Die Rote Karte und den anschließenden Freistoßtreffer leitete Schenk mit einem Fehlpass ein. In Berlin ermöglichte er die Führung für die Hertha – auch wenn der SCP diese Partie mutmaßlich auch ohne Schenks Fehler verloren hätte. Ein totaler Sicherheitsfaktor ist der Keeper aktuell nicht wie sonst.

Gegen Karlsruhe kam noch eine Komponente dazu, auf die der SC Preußen leider gar keinen Einfluss hat. Mit Schiedsrichterentscheidungen hat der SCP aktuell nicht zwingend Glück. Gerade im Spiel gegen den KSC gab es so ein paar Szenen, die Gästetrainer Eichner später „Fifty-fifty“ nannte – die aber fast konsequent gegen den SCP ausfielen. Hatte Keeper Bernat den Ball vor dem 1:0 für den SCP tatsächlich „sicher“? Oder eben nicht, weil es dem SCP mit einem lockeren Spitzler gelang, ihn freizubekommen? Dass sich hier die Geister scheiden, zeigt an, wie knapp das war. Dass das Foulspiel an Oliver Batista Meier direkt vor dem vermeintlichen Führungstreffer offenbar gar nicht geprüft wurde? Ärgerlich.

Es ist eine schwierige Phase, in der die Preußen stecken. Dass die Mannschaft das Potenzial hat, den Klassenerhalt zu schaffen, gilt unverändert. Allerdings ist das mit der Vorgabe verknüpft, dass zumindest ein Teil der Führungs- und Stammkräfte wieder auf den Platz zurückkehrt. Das betrifft unter anderem Marvin Schulz, aber auch Joshua Mees.

Dass die Preußen keinen „Knipser“ aufbieten können, ist so schnell nicht zu ändern. Dafür ist der SCP finanziell nicht in der Lage (und willens). Last-Minute-Transfers werden auch keinen Spieler nach Münster bringen, der zehn Zweitliga-Tore garantiert. Aber die Personaldecke ist derzeit und auf absehbare Zeit einfach zu dünn, daher wird es ganz ohne nicht reichen.

Und so ehrlich muss sich der SCP machen: Spielerisches Lob hin oder her. Der Ertrag stimmt nicht und das ist das entscheidende Manko. Da darf sich jetzt niemand etwas in die Tasche lügen.

One thought on “Jetzt mitten drin im Abstiegskampf

  1. Volle Zustimmung! Gute Analyse. Die Hütte brennt. Hoffe, die Verantwortlichen sind endlich sensibilisiert. Ende in PK jedenfalls weiterhin bestens gelaunt und spricht bei SKY nach 0:2 zuhause von einer Top-Leistung, muss man nicht verstehen. Dann kann ich mich als Spieler ja entspannt zurücklehnen.

    PS: Es war kein Elfmeter am „Barista“. OBM tritt dem KSCler selbst von oben auf dessen Fuß (sieht sogar nach Absicht aus) und lässt sich dann fallen, erkennt man in der Superzeitlupe sehr gut. Schlecht geschauspielert.

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