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Nicht so ganz „unheimlich stabil“

Nicht so ganz „unheimlich stabil“
Enttäuschte Gesichter nach Abpfiff in Aachen. Foto: IMAGO / Revierfoto

Der SC Preußen Münster trudelt seit jetzt elf Monaten eigentlich stetig abwärts. Die Rückrunde in der 2. Bundesliga war schon abstiegsreif, jetzt wird der SC Preußen auch in der 3. Liga Richtung Tabellenkeller durchgereicht. Es droht kein Abstiegskampf, der SC Preußen steckt bereits darin. In diesem Lichte verwundern die Aussagen, die man rund um Mannschaft und Trainer hört.

Vorab: Die Aussichten beim SC Preußen sind trotz der aktuellen Talfahrt insgesamt eher gut als schlecht. Das ist auch leicht zu erklären. Nach dem personellen Umbruch im Sommer und der (für viele) neuen 3. Liga war klar, dass es Zeit brauchen würde, ehe sich diese neue Mannschaft finden würde. Das war auch der sportlichen Leitung klar und auch deshalb hielt der SCP den sprichwörtlichen Ball sehr flach. Geduld war, ist und wird gefragt sein, auch wenn das mal mehr, mal weniger nach Durchhalteparole klingt.

Aber der Prozess, in dem der SCP steckt, wird durch äußere Einflüsse verändert. Bisher waren es viele Verletzungen – Dauerausfälle und kurzfristigere Verletzungen. Genau diese Einflüsse werden sich jetzt aber ins Gegenteil verändern können, denn einige der Verletzten sind zurück. Joshua Mees hat seit seiner Rückkehr im Spiel gegen Essen bereits vier weitere Spiele absolviert. In Aachen kehrten Marvin Schulz und Malik Batmaz nach fünf bzw. zwölf Monaten Pause zurück. Beide tragen das Versprechen in sich, den SCP eher besser zu machen als schlechter.

Durchhalten bis zur Winterpause

Wenn es ein Motto gäbe, dann wäre es dies: Durchhalten bis zur Winterpause. Dann ist die halbe Serie gespielt, dann dürften sich die meisten Ausfälle erledigt haben (künftige Verletzungen hoffnungshalber ausgeklammert) und eine klarere Stammelf gebildet haben, dann dürften auch Automatismen greifen. Eine gewisse Hoffnung gibt es, dass der SCP in der Rückrunde 2027 wie zuletzt 2024 deutlich stärker wird. Das wird in dieser Saison natürlich nicht mehr für einen Aufstieg reichen, dafür ziehen andere Klubs in ganz anderen Leistungsebenen davon.

Das sind die Aussichten, natürlich verknüpft mit einer Menge Konjunktiven. Denn es könnte natürlich auch genauso überschaubar bleiben wie aktuell. Und da sollte man sich nicht in die Tasche lügen – und genau so wirkt es gelegentlich in der Betrachtung der Leistung.

Trainer Thomas Wörle hatte den SCP „unheimlich stabil“ gesehen, wie es in den „Westfälischen Nachrichten“ hieß. Und auf der eigenen Homepage schrieb der Klub, dass das Ergebnis den Spielverkauf nicht korrekt widerspiegele. Wörle hatte demnach einen „leidenschaftlichen und mutigen Auftritt“ gesehen.

Das Gegenteil von stabil

Nun: Wenn sich Stabilität im Ergebnis und Gegentoren ausdrückt, war das Spiel in Aachen das Gegenteil von stabil. Was nutzt eine zu 99 Prozent stabile Arbeit, wenn das eine Restprozent immer noch für zwei Gegentore gut ist? Dann war der Auftritt in keiner Weise stabil. Zuletzt gab es das auch beim Heimspiel gegen Essen, dass der SCP nach 2:0-Führung herschenkte, obwohl die Defensivarbeit „fast“ glänzend war. Fast zwei Gegentore pro Spiel sind eine sehr deutliches Argument gegen jede Stabilität. Auch wenn man korrekt einordnet, was der Trainer sagen will – dass nämlich der SC Preußen über jeweils 90 Minuten keine Vielzahl von Chancen zulässt -, machen die ständigen individuellen oder kollektiven Fehler alles andere einfach kaputt. Bei einer Niederlage und zwei Gegentoren von Stabilität zu sprechen ist wie nach einem Einbruch durchs Kellerfenster zu sagen: „Aber durch die Haustür sind sie nicht gekommen!“

Auch nach zwölf Spieltagen bringt der SCP kein Spiel ohne teilweise eklatante Fehler zustande – beim einzigen positiven „Ausrutscher“ gegen Fortuna Köln (1:0) half den Preußen ehrlicherweise nur die Abschlussschwäche der Gäste. Das kann man doch nicht einfach mit dem Verweis auf die „sonstige“ Abwehrarbeit abtun! Und bei allem Wohlwollen: Den Auftritt des SCP in Aachen konnte man ganz sicher nur für zehn, 15 Minuten nach der Pause „leidenschaftlich und mutig“ nennen. Vor dem Wechsel war es weitestgehend ideenlos und kraftlos. So sehr, dass aus der Kurve schon wieder „Aufwachen“-Rufe zu hören waren. Und das hört man eigentlich nicht, wenn die Leistung stimmt.

Das Muster ist auch mehr als deutlich. Seine Leistung ruft der SCP bestenfalls teilweise ab. Hier mal eine Halbzeit, dort mal eine. Ein stabiles Spiel über 90 Minuten gab es bisher kein einziges Mal. Das ist Teilzeitarbeit.

Fehlende Struktur

Das war so ein bisschen wie zuletzt in Wattenscheid, als Thomas Wörle eine wirklich bodenlose Leistung in der ersten Halbzeit „gar nicht so schlecht“ gesehen haben wollte. Was der SCP derzeit bietet, ist spielerisch bescheiden, bestenfalls. Nur in Ansätzen ist zwischendurch zu erahnen, wie der SCP irgendwann mal spielen könnte. Aber es fehlt Konstanz, auch weil das Trainerteam immer wieder wechselt oder wechseln muss. Im Augenblick stottert sich der SC Preußen defensiv durch die Spiele und setzt auf Standards und ein bisschen das Prinzip Hoffnung, aka Einzelaktionen wie durch Ndikom oder Makridis.

Wenn dann in Aachen Romario Rösch sagt, man habe sich in der zweiten Halbzeit nichts vorwerfen können, dann stimmt das vom Einsatz her, aber nicht von der Leistung. Denn auch wenn es eine Binse ist: Im Fußball zählen Tore für die Bewertung – und zwar vorne wie hinten. Und da stimmte eben nichts von beidem.

Was das alles jetzt bedeutet? Fast nichts. Denn weder wird der SC Preußen durch magisches Denken plötzlich wirklich stabil, noch sind die Probleme kurzfristig abzustellen. Es ist ein Prozess. Und es bleibt am Ende so simpel wie unbefriedigend: es braucht Zeit. Es wäre allerdings hilfreich, wenn man nicht das Gefühl hätte, beim SC Preußen würde man sich selbst etwas schönreden.

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