Frauenfußball: Preußen Münster und Wacker Mecklenbeck machen gemeinsame Sache
Hunderte, tausende Mädchen und Frauen spielen Fußball in Münster. Beim SC Preußen Münster galt der Fokus bisher den Jungen und Männern. Genau das soll jetzt – endlich – verändert werden. Viele Monate hatte der SCP zuletzt Gespräche geführt und am Ende einen irgendwie logischen Partner gefunden: Wacker Mecklenbeck. Beide Klubs wollen jetzt eine gemeinsame Heimat für leistungsorientierten Fußball für Mädchen und Frauen bilden. Wie das gehen soll, das stellten die Partner am Dienstag in Münster vor.
„Es ist ein besonderer Tag“, formulierte Päsidiums-Mitglied Noemi Hutter. „Wir haben lange darauf hingearbeitet, um jetzt deutlich sagen zu können: Wir wollen Frauenfußball bei Preußen Münster machen.“ Die Suche nach dem passenden Partner habe letztlich nach Mecklenbeck geführt. Vorsichtshalber betonte Präsidiumsmitglied Sören Weinfurtner am Dienstag, dass auch der bestehende Kooperationspartner Borussia Münster dem Projekt sehr offen gegenüberstand und es dort keine Vorbehalte gegeben habe.
Hutter: „Wir wollen eben gemeinsame Stärken bündeln und neue Perspektiven für das ganze Münsterland bieten.“ Man verstehe den Ansatz auch aus einer Verantwortung heraus, der wachsenden Bedeutung des Sports gerecht zu werden, gerade auch als höchstklassiger Klub des Münsterland.
„Letter of Intent“
Ein „Letter of Intent“ ist jetzt der Start. Der gemeinsam formulierte Wille, den leistungsorientierten Frauenfußball in Münster unter der Flagge von Preußen Münster zu fokussieren, Talenten eine Perspektive vor Ort zu bieten. Die zentrale Idee für den Weg dahin ist so einfach umschrieben wie kompliziert umzusetzen. Ab der Saison 2027/2028 sollen die 1. und 2. Frauenmannschaft von Wacker sowie die U17 in den SC Preußen Münster integriert werden – in den Verein, nicht in die KGaA. Damit soll der Bereich Leistungssport unter dem Dach des Adlers einen Platz finden. Idealerweise würde der SCP dann für die 1. Mannschaft das Startrecht in der Regionalliga West übernehmen, der dritthöchsten Spielkasse. Der Breitensport wird weiterhin unter lila-weißer Flagge bei der DJK Wacker Mecklenbeck stattfinden.
Der DFB plant übrigens, ab der Saison 2027/2028 eine neue dreigleisige 3. Liga einzuführen – die kommende Saison 2026/2027 soll die Qualifikation sein. So oder so ist es das Ziel von Wacker und Preußen, die Qualifikation für diese neue Liga zu schaffen. Falls das nicht gelingen sollte, dann eben in einem zweiten oder dritten Anlauf. Doch die Gelegenheit wäre jetzt günstig. Ob der SCP das Startrecht von Wacker übernehmen kann, muss noch mit den beteiligten Verbänden besprochen werden. Freundliche Signale gab es vom Fußballkreis Münster, offene Ohren beim Fußballverband Westfalen-Lippe, Überzeugungsarbeit benötigt vielleicht der Westdeutsche Fußballverband. Und auch der DFB selbst ist hat keinen Automatismus für so ein Projekt – trotz ähnlicher Vorbilder aus anderen Klubs.
Heimat Egelshove
Weil das LVM-Preußenstadion und seine Anlagen allerdings nicht ansatzweise auf zusätzliche Teams (und auch nicht auf Frauenteams) ausgelegt ist, würde vorerst die Egelshove in Mecklenbeck Spielort der neuen Preußen-Teams werden. Dort verfügt man dank langjähriger Praxis viel Erfahrung in der „Logistik“ solcher Teams. Zudem bietet die Anlage ausreichend Platz für interessiertes Publikum.
Gleichwohl sind Synergien angedacht. Wacker würde sich über Trainingseinheiten an der Hammer Straße freuen, über den Austausch mit Trainern, über den professionellen Input also. Zugleich betonte Sportvorstand Nicolas Hendricks, dass die Kooperation auch mit Blick auf die neue 3. Liga wichtig sei. Selbst ein gut aufgestellter Klub wie Wacker stoße bei so einer bundesweiten Liga mit Fahrten gen Kiel oder Frankfurt an seine Grenzen. Hendricks betonte, dass Wacker voll hinter dem Projekt stehe. Das bestätigte auch Wacker-Kapitänin Britta Stein. „Wir als Team unterstützen das. Zumal wir viele Spielerinnen haben, die aus Münster oder der Nachbarschaft kommen, selbst zu Spielen der Preußen gehen, wenn es passt. Das ist also ohnehin eine große Verbundenheit.“
Gleichzeitig verband Stein mit der Vorfreude auch die Hoffnung, von besseren Rahmenbedingungen profitieren zu können. „Langfristig wäre für uns eine kleine finanzielle Unterstützung wichtig“, so Stein. Viele Spielerinnen müssten nebenher Vollzeitstellen ausüben oder müssten Studium, Nebenjob und Fußball unter einen Hut bringen – das ist im professionellen Herrenfußball anders. „Wirt sehen aber viele Potenziale und freuen uns, ein Teil des nächsten Schritts im Münsteraner Frauenfußball zu sein.“
Ergänzung, nicht Konkurrenz
Wichtig war am Dienstag allen Beteiligten, keine Konkurrenzsituation zu gestalten. Das Lob für starke Arbeit ging an die Adresse von Klubs wie Gremmendorf, Saxonia, Westfalia Kinderhaus, BW Aasee oder Amelsbüren. „Die machen alle tolle Arbeit“, so Hendricks. Aber die „totale Spitze“ fehle eben in der Start. Und dieser Spitzensport unter dem neuen Dach soll das bestehende Angebot in Münster und der Region zu ergänzen. Man könne so auch verhindern, dass talentierte Spielerinnen eher nach Gütersloh, Essen oder Dortmund abwandern. Vor Ort im Oberzentrum einen leistungsorientierten Fußball anzubieten, soll der bessere Weg sein. „Eine gemeinsame Vision für den Frauenfußball“, so nannte es Hendricks am Dienstag.
Die Arbeit nimmt nun erst richtig Fahrt auf. Aber der Startschuss war nicht zu überhören.

